Visegrad
die brücke über die drina
Eine Stadt, der von Mehmet Pasha Sokolovic sowie Literatur-Nobelpreisträger Ivo Andric ein Denkmal gesetzt wurde und die durch diese weltbekannt ist: Die „Brücke über die Drina“, erbaut zwischen 1571 und 1577, ist mit großem Abstand die größte Attraktion der Stadt, die zwar sehr schön gelegen ist, aber nicht viel anderes zu bieten hat. Um einen Tag dort zu verbringen und sich die Brücke anzuschauen, reicht es aber auf jeden Fall aus.
Geschichte
Die ältesten Spuren menschlichen Lebens in diesem Gebiet stammen von den illyrischen Stämmen der Autariaten und Ardier und reichen bis ins Jahr 1500 v. Chr. zurück. Später wurde das Gebiet rund um Višegrad Teil der römischen Provinz „Malavico“. Durch das Tal des Flusses Drina führte die Straße „Via Drina“. Während der Forschungen des „Museums für Naturwissenschaften“ in Sarajevo im Jahr 1966 wurden im Gebiet des Dorfes Musići Überreste slawischer Keramik aus dem 6. und 7. Jahrhundert entdeckt. Diese gelten als Beweis dafür, dass sich damals auch Slawen in der Region niedergelassen haben. In der Nähe von Višegrad befinden sich zudem zahlreiche Ortschaften mit mittelalterlichen Kernen; die bekanntesten sind Velika und Mala Gostilja.
Aufgrund seiner geografischen, strategischen und wirtschaftlichen Lage hatte Višegrad eine turbulente Geschichte. Es war Ziel vieler Eroberungen und dadurch immer wieder hart umkämpft. In der Zeit von Stefan Nemanja gehörte das gesamte Gebiet zum serbischen Reich der Nemanjić-Dynastie. Mitte des 14. Jahrhunderts stand es unter der Kontrolle des serbischen Feudalherrschers Nikola Altomanović. Danach wurde das Gebiet vom bosnischen König Tvrtko I. regiert und dem bosnischen Königreich angeschlossen.
Der Name Višegrad wurde erstmals 1433 erwähnt, als die Stadt zum Herrschaftsgebiet des mächtigen Hauses Pavlović gehörte. Damals entsprach ihr geografischer Standort jedoch nicht exakt der heutigen Siedlung. Auf der Spitze eines Hügels in der Nähe der Drina-Brücke sind noch heute Spuren der alten Stadt zu sehen, die sogenannte Pavlovina, benannt nach dem Herzog Pavle Radenković. Die Ruinen befinden sich an zwei Orten, die als „Gornji grad“ und „Donji grad“ bekannt sind.
Laut türkischen Quellen fiel die Stadt 1462 unter osmanische Herrschaft. Das neu gegründete Sarajevo und die durch Višegrad führende Straße von dort nach Istanbul verhalfen der Stadt erstmals zu wirtschaftlichem Aufschwung. Im Jahr 1577 ließ Mehmed Paša Sokolović die steinerne Brücke erbauen.

1878 übernahm Österreich-Ungarn die Herrschaft über Višegrad, wodurch die Stadt urbaner wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Višegrad Teil des Königreichs Jugoslawien innerhalb von Bosnien und Herzegowina. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt vollständig zerstört, einschließlich der Brücke.
Vor dem Bosnienkrieg hatte Višegrad etwa 22.000 Einwohner, von denen etwa zwei Drittel Bosniaken und der Rest Serben waren. Am 12. April 1992 wurde die Stadt von der Jugoslawischen Volksarmee eingenommen. In der Folge kam es zu hunderten Morden an der Zivilbevölkerung, zu Vergewaltigungen sowie zur Zerstörung der beiden Moscheen und zahlreicher Wohnhäuser von Nicht-Serben.
Heute ist Višegrad Teil der Republik Srpska in Bosnien und Herzegowina. Seitdem hat die Stadt fast die Hälfte ihrer ehemaligen Einwohner verloren. Serben stellen mittlerweile den größten Teil der Bevölkerung.
Sehenswürdigkeiten
(1) Die Brücke über die Drina (Pasha Mehmet Sokolovic-Brücke)
DIE Sehenswürdigkeit der Stadt und wohl die Attraktion, weshalb die meisten Touristen überhaupt nach Višegrad kommen, ist die Brücke. Sie wurde zwischen 1570 und 1577 im orientalischen Stil erbaut und von Mimar Sinan, dem damaligen Stararchitekten des Osmanischen Reichs, entworfen.
Die Brücke besteht aus elf Bögen, ist knapp 180 Meter lang, bis zu 15,40 Meter hoch und 6,30 Meter breit. Sie wurde aus Kalkstein gebaut. In der Mitte befindet sich eine halbrunde Bank, die der Višegrader Bevölkerung seit dem Bau als Treffpunkt dient. Gegenüber liegt ein steinernes Portal, das in arabischer Schrift über den Konstrukteur und das Baujahr informiert. Bis ins 18. Jahrhundert stand hier auch ein hölzernes Gebäude mit Brückenwächtern. In ihrer fast 500-jährigen Geschichte musste die Brücke zahlreiche Herausforderungen überstehen und wurde mehrmals teilweise zerstört, unter anderem im Ersten und Zweiten Weltkrieg.
Berühmt wurde die Brücke vor allem durch Ivo Andrić, der in seinem monumentalen Werk „Die Brücke über die Drina“ der Brücke die Hauptrolle vergibt – sie ist die einzige Protagonistin im gesamten Buch. Wer also mehr über Višegrad und die Geschichte der Stadt aus Sicht der Brücke erfahren möchte, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Ivo Andrić erhielt für sein Lebenswerk den Literaturnobelpreis und wird in der Stadt dementsprechend gewürdigt.

(2) Andricgrad
Andrićgrad, auch „Stone Town“ genannt, ist eine von 2011 bis 2014 erbaute neue „Altstadt“ in Višegrad. Der kleine Stadtabschnitt liegt auf einer Halbinsel zwischen dem Zusammenfluss der Drina und des Rzav. Es handelt sich um ein Projekt des serbischen Filmregisseurs Emir Kusturica, der auch für das ähnliche Projekt „Drvengrad“ in der Nähe des serbischen Dorfes Mokra Gora verantwortlich ist, das weniger als 25 Kilometer von Višegrad entfernt liegt (allerdings auf der anderen Seite der Grenze).
In Andrićgrad finden sich Neubauten im Stil verschiedener vergangener Epochen, die Višegrad in den letzten Jahrhunderten geprägt haben: byzantinisch, osmanisch, Renaissance und klassisch. Highlights des kleinen neuen Stadtteils sind das Rathaus, das Ivo-Andrić-Institut, die Kunstakademie, die Kirche des Kaisers Lazar sowie einige Statuen von Ivo Andrić, Nikola Tesla und den Sokolović-Brüdern.


(3) Ivo Andric-Gedenkorte
Die Leute hier sind wirklich mächtig stolz auf ihren bekanntesten Sohn der Stadt, Ivo Andrić. Neben dem kleinen neuen Stadtteil können daher noch einige weitere Orte besucht werden, um mehr über den Schriftsteller und sein Leben zu erfahren. Dazu gehören beispielsweise das Geburtshaus (3a), seine alte Schule (3b) und das ihm zu Gedenken errichtete Denkmal (3c). Das Geburtshaus befindet sich dabei als einziges auf der östlichen Seite der Drina. Insgesamt sind diese Sehenswürdigkeiten jedoch nichts Spektakuläres und wohl nur für echte Ivo-Andrić-Ultras wirklich interessant.
(4) Moscheen
Beide Moscheen der Stadt befinden sich in der Straße Kralja Petra I, die im westlichen Teil der Stadt direkt auf die Brücke führt. Die „Gazanfer-Beg-Moschee“ (4a) und die „Kaiser-Moschee“ (4b) sind zwar nicht besonders spektakulär und relativ klein, aber ein Blick ins Innere lohnt sich.
(5) Jungfrau Maria-Kirche
Etwa 15 Minuten von der Brücke entfernt, auf einem Hügel gelegen, bietet diese Kirche einen schönen Ausblick über die Stadt. Wer mehr sehen möchte, kann weitere 20 Minuten wandern, um einen noch beeindruckenderen Blick über die Stadt zu genießen, nämlich vom…


(6) ... Russischen Kreuz
Hoch über der Stadt gelegen, soll das Kreuz den russischen Freiwilligen gedenken, die im Bosnienkrieg auf serbischer Seite gekämpft und dabei ihr Leben verloren haben. Wie ihr euch denken könnt, ist das Denkmal daher politisch sehr umstritten.
Kloster Dobrun
12km außerhalb von Višegrad, im Tal des Rzav und auf dem Weg zur serbischen Grenze, liegt das Kloster Dobrun, das bereits im Jahr 1343 gegründet wurde. Natürlich blieb das Kloster im Laufe der Jahrhunderte nicht von Beschädigungen verschont, wobei die schwerste Zerstörung durch die Nazis erfolgte, die das Kloster 1945 als Waffenlager nutzten und es bei ihrem Rückzug in die Luft sprengten. Trotzdem könnt ihr auch heute noch viele Fresken und Gemälde im Kloster besichtigen. Zusätzlich gibt es ein Museum über den ersten serbischen Aufstand von 1804 bis 1813 gegen die Osmanen.
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Touren
„Meet Bosnia“ bietet eine länderübergreifende Tour an, die neben den Highlights von Višegrad auch das Kloster Dobrun sowie eine Fahrt mit der berühmten „Sargan Eight“-Museumsbahn im Nachbarland Serbien umfasst. Gebucht werden kann dies hier* über die Plattform GetYourGuide.
Unterkunft
Apartments Vila Hercegovina
Zwischen Andrićgrad und der Brücke gelegen, sind diese Apartments ein super Deal mit Balkon und einem schönen Blick über den Rzav und die Stadt. Einige der Ausstattungen sind zwar nicht mehr brandneu, aber alles ist gut gepflegt, sauber, und man findet alles, was man braucht. Die Eigentümer sind sehr nett und haben unsere Buchung in wenigen Minuten bestätigt. Generell lief die Kommunikation sehr problemlos und schnell. Für den Preis auf jeden Fall zu empfehlen.
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Apartmani Memory
Großartige Lage direkt am Fluss mit bestem Blick auf die Brücke, vor allem am Abend, wenn diese schön angestrahlt wird. Das Apartment ist schön groß, gemütlich und stilvoll eingerichtet. Der Schlafboden hat mir am meisten gefallen.
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Hotel Visegrad
Direkt an der Brücke gelegen und in unmittelbarer Nachbarschaft zu Restaurants, Cafés und Einkaufsmöglichkeiten, ist dieses Hotel vermutlich die beste (Hotel-)Adresse der Stadt. Frühstück ist im Preis inbegriffen und super. Die Zimmer sind teilweise noch etwas rustikal, aber sauber.
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Essen und Trinken
Ethno Restaurant Kruna | Balkan-Küche
Wie der Name schon sagt, wird hier Wert auf traditionelles Essen gesetzt. Die Portionen sind gut, die Preise ebenso, das Personal freundlich und die Atmosphäre ist rustikal-traditionell. Angeschlossen ist noch eine kleine Pension, die sich allerdings nicht direkt beim Restaurant befindet.
Restaurant Anika | Balkan-Küche
Ein weiteres traditionelles Restaurant auf der westlichen Seite der Drina, direkt am Fluss. Hier kann es u.U. nötig sein, einen Tisch zu reservieren, vor allem am Wochenende. Auf der Speisekarte stehen frischer Fisch aus der Drina, Grillspezialitäten, Steaks, Frühstück, warme und kalte Vorspeisen sowie allerlei alkoholische und nicht-alkoholische Getränke. Sicher eines der besten Restaurants der Stadt.
Caffe & Pizza Goya
Die beste Pizzeria der Stadt konzentriert sich nahezu ausschließlich auf die neapolitanischen Fladen. Ansonsten steht nur noch ein wenig Salat auf der Karte. Ihr findet das Restaurant auf der Fluss-Halbinsel in Andrićgrad.
Transport
Es gab mal Zeiten, da war Visegrad ein Stopp auf der Bahnlinie von Sarajevo nach Belgrad. Das ist allerdings lange vorbei. Und obwohl die Strecke von Visegrad in Richtung Serbien aus touristischen Gründen wieder instand gesetzt wurde und Züge theoretisch an die Museumseisenbahn in Mokra Gora anschließen könnten, verfällt der historische Bahnhof seit Jahren weiterhin. Dabei ist die Bahnstrecke entlang des Rzav-Flusses landschaftlich superschön und könnte sicherlich eine neue Touristenattraktion in der Stadt werden. Aber ich gehe nicht davon aus, dass sich in dieser Hinsicht in naher Zukunft irgendetwas ändern wird.
So bleibt bisher nur der Bus, um in die Stadt zu kommen. Allerdings gibt es auch keinen offiziellen Busbahnhof; die meisten Busse fahren jedoch vom Platz vor der Brücke in der Nähe des Hotels Visegrad ab.
Sarajevo
Mindestens zwei Busse pro Tag fahren von Visegrad nach Sarajevo. Einer meistens morgens um 08:00 Uhr und einer am frühen Nachmittag. Die Fahrt dauert ca. 2,5 Stunden und ein Ticket kostet 10 €.
Mostar
Umstieg in Sarajevo!
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