Salona

das antike erbe kroatiens

Inhalt

Wow, schon so viel historisch Interessantes rund um den Diokletianspalast und dann nicht einmal sechs Kilometer entfernt noch die bedeutsamsten antiken Ruinen des ganzen Landes? Sind wir hier in Rom oder was?

Zweifelsohne, würde Salona in irgendeiner anderen mittelgroßen Stadt Europas liegen, wären die Ruinen dort vermutlich das Touristenhighlight schlechthin. In Split wird das eben vom Diokletianspalast überschattet, sodass viele Touristen den Weg hierhin gar nicht erst finden. Schlecht für sie, gut für die, die es dorthin schaffen.

Geschichte

Salona wurde bereits im vierten Jahrhundert vor Christus gegründet, erlebte einen ersten Aufschwung allerdings erst, als die Stadt 78/79 v. Chr. vom römischen Proconsul C. Cosconius erobert wurde. Ihre Blütezeit hatte die Stadt im zweiten Jahrhundert nach Christus, als Salona Hauptstadt der römischen Provinz Dalmatien war und dort bis zu 60.000 Einwohner lebten, womit die Stadt zu damaliger Zeit wohl die viertgrößte Stadt des römischen Reichs war. Nicht von ungefähr ließ Diokletian nur sechs Kilometer entfernt seinen Altersruhesitz errichten, nachdem er als einziger römischer Kaiser freiwillig vor seinem Ableben in Rente ging.

Der Niedergang der Stadt setzte mit dem Zerfall des weströmischen Reiches im fünften Jahrhundert ein, als sie auch Ziel von Angriffen durch Hunnen und Goten war. Endgültig besiegelt wurde das Schicksal der Stadt dann im Jahr 613, als sie von Slawen und Awaren eingenommen und zerstört wurde. Die Menschen flüchteten sich auf die umliegenden Adriainseln und besetzten den gut geschützten Diokletianspalast, woraus später die mittelalterliche Stadt Split entstehen sollte.

Praktisches

  • Der Eintritt für die Ruinen lag 2022 bei 40 Kn, vermutlich wird er im Jahr 2023 bei 7 € liegen. Das Ticket berechtigt (wahrscheinlich) auch 2023 wieder zum kostenlosen Eintritt ins Archäologische Museum.

  • Die Stätte ist von Montag bis Freitag von 09:00 bis 19:00 Uhr geöffnet. Am Sonntag nur von 09:00 bis 14:00 Uhr. Das sind die offiziellen Zeiten, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dies im Winter ebenso ist, da es ja bereits um ca. 16:00 Uhr dunkel wird. Vor allem in der kalten Jahreszeit würde ich euch also definitiv empfehlen, sich nicht darauf zu verlassen (außerdem könnt ihr dann nichts sehen 😉 ).

  • In den Ruinen könnt ihr euch sehr frei bewegen. Es gibt keinerlei Absperrungen oder Verbotsschilder. Auch wenn die Wertschätzung dieser Ruinen bei den Verantwortlichen nicht so hoch ist, wie sie eigentlich sein sollte, seid respektvoll und macht nichts kaputt.

  • Der ganze Bereich bietet nahezu keinen Schatten. Vor allem im Sommer solltet ihr vielleicht eine Kopfbedeckung und ausreichend Flüssigkeit mitnehmen.

  • Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht ihr Salona mit der Buslinie 1, die aus dem Stadtzentrum ganz in der Nähe des Nationaltheaters am Trg Gaje Bulata abfährt. In der Woche fährt der Bus alle halbe Stunde, am Wochenende stündlich. Den genauen Fahrplan findest du hier.

Highlights

Auch heute gibt es noch Einiges zu sehen. Ich versuche, die sehenswerten Ruinen in möglichst sinnvoller Reihenfolge zu beschreiben, wie man sie vermutlich vom Eingang aus zu Fuß ablaufen wird.

(1) Manastirine

Vom Kassenhäuschen aus gesehen, kann man auf der linken Seite als erstes die Überreste einer Basilika und eines Friedhofs erkunden, die damals außerhalb der Stadtmauern lagen. Domnius, der Schutzpatron der Stadt Split, wurde im Jahr 304 im Amphitheater enthauptet und zunächst hier bestattet, bevor seine Überreste vor den einfallenden Slawen in das ehemalige Diokletian-Mausoleum gerettet wurden. Dadurch entstand an dieser Stelle die heutige Splitter Kathedrale.

(2) Tusculum / Salona Museum

Hier wurde dummerweise Ende des 19. Jahrhunderts auf den Ruinen ein Haus gebaut, das heute ein Museum beherbergt, das eigentlich mehr ein Souvenir-Shop ist. Einige ornamentale Fragmente, Säulen und Gravierungen findet man trotzdem noch rund um das Haus. Das Museum selbst ist eigentlich nicht wirklich einen Besuch wert. Dann lieber ins Archäologische Museum neben dem Stadion.

(3) Stadtmauern

Die Errichtung der damaligen Stadtmauer, die nur noch im östlichen Teil erhalten ist, aber einst die gesamte Stadt umgab, dauerte mehrere Jahrhunderte und begann bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. In ihrer größten Länge war die Mauer einmal vier Kilometer lang und zwischen 1,5 und 2,5 Meter breit. Zum Vergleich: Die Stadtmauern von Dubrovnik sind gerade einmal zwei Kilometer lang.

(4) Bischofspalast / Basilika

Dieser Bereich war quasi das geistliche Zentrum des alten Salonas und wird auch als „Episcopal Center“ bezeichnet. Zunächst kommt man an den Ruinen des alten Bischofspalastes vorbei, von dem aber nicht mehr viel zu erkennen ist. Direkt daneben liegt die Basilika, deren Grundrisse immer noch gut erkennbar sind und auch noch an heutige Kirchen erinnern. Diese Kirche war zu damaliger Zeit die größte in der gesamten Provinz Dalmatien.

(5) Therme

Von den Stadtmauern kommend, liegt links hinter dem Bischofspalast die alte Therme der Stadt. Es gab zwar mehrere öffentliche und private Bäder in Salona, aber dieses ist das größte und am besten erhaltene. Thermen und Stadtbäder waren in römischer Zeit ein wichtiger Bestandteil der Kultur und dienten als sozialer Treffpunkt. Dieses Bad wurde vermutlich Ende des zweiten Jahrhunderts n. Chr. erbaut. In dieser Therme gab es damals einen Kaltwasserpool, Umkleideräume, einen Massageraum, mehrere heiße Thermen sowie eine Sauna. La dolce vita!

(6) Fünf Brücken

Im ersten Jahrhundert vor Christus floss ein Nebenarm des Jadro-Flusses durch Salona, dessen Ufer von einer fünfbögigen Brücke überspannt wurde. Die Kuhlen sind heute noch zu erkennen.

(7) Porta Caesarea /Aquädukt

Früher war dies mal ein Stadttor in Richtung Westen, wobei es durch die sich ausdehnende Stadt seine Bedeutung verlor und zu einer Art dekorativem Triumphbogen wurde, als die Stadt sich weiter westlich außerhalb der Stadtmauer ausdehnte und die Befestigungsanlagen vergrößert werden mussten. Ab dann wurde das Tor als Stütze für das oberhalb verlaufende Aquädukt genutzt. Zu früherer Zeit hatte das Stadttor drei Eingänge: einen für Karren und andere Gespanne sowie zwei kleinere an den Seiten für Fußgänger. Auch heute kann man noch durch das Tor hindurchschreiten.

(8) Forum, Theater und Dionysus-Temple

Nachdem man durch die Porta Caesarea hindurch ist, sollte man danach einmal links in einen kleinen Weg abbiegen, um zum Forum und zum Theater zu gelangen. Das Forum war früher der Mittelpunkt des städtischen Lebens und etwa 45 x 70 m groß.

Was das Theater betrifft, erklärt sich das von selbst: Es hatte die beeindruckende Größe von 65 x 58 m und wurde im ersten Jahrhundert nach Christus gebaut.

Vom Tempel ist nur noch wenig erhalten, aber es wird angenommen, dass dieser entweder Dionysus oder Liber gewidmet war.

(9) Die 16 Sarkophage

Im Jahr 1871 wurden bei Ausgrabungen zufälligerweise diese 16 Sarkophage entdeckt, die in einer 43 m langen Reihe an einer der Verbindungsstraßen der Stadt angeordnet wurden. Inschriften auf der Hälfte der Särge deuten darauf hin, dass hier Menschen christlichen Glaubens bestattet wurden, die im vierten Jahrhundert nach Christus starben. Nur ein Sarkophag scheint nicht-christlich zu sein und stammt aus dem dritten Jahrhundert. Diese Grabstätte war vermutlich Teil eines größeren Friedhofs, der zur Kapljuc-Kirche gehörte.

(10) Kapljuc

Diese alte christliche Kirche wurde damals „Kirche der fünf Märtyrer“ genannt, da sie – Überraschung! – auf den Gräbern von fünf Märtyrern errichtet wurde. Die Märtyrer wurden alle im April 304 während Diokletians letzter Hinrichtung von Christen im Amphitheater exekutiert.

(11) Amphitheater

Die letzte der größeren Sehenswürdigkeiten im Salona-Komplex ist gleichzeitig auch wohl die imposanteste. Die frühere Gladiatoren-Arena wurde in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts errichtet und bot bis zu 17.000 Zuschauenden Platz. Die Arena besaß drei Ränge, von denen die unteren beiden Sitzplätze waren und der obere Stehplätze. Die Zuschauerränge der Arena waren mit Stoffbahnen überdacht, was Schutz vor der Sonne und Regen bot. Durch die zunehmende Christianisierung wurde im 5. Jahrhundert der Kampf zwischen Gladiatoren verboten, wobei Tierkämpfe dort weiterhin erlaubt waren.

In diesem Amphitheater wurde der Saloner Bischof Domnius enthauptet, genauso wie einige weitere christliche Märtyrer, die ihre Spuren in der Geschichte der Stadt Split hinterlassen haben.

Der größte Teil des Amphitheaters wurde im Übrigen erst im 17. Jahrhundert in den Kriegen mit dem Osmanischen Reich zerstört, sodass heute nur noch Ruinen übrig sind, die jedoch immer noch beeindruckend sind.

Tipps zu Unterkünften, Gastronomie, Touren, Kultur und Sport rund um Salona findet ihr im ausführlichen Hauptartikel Split.

Weiter geht’s!

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