Obrovac

ein ort für leute, die kroatien sonst nicht mögen

Inhalt

Jupp, es gibt sie noch! Die beschaulichen Orte in Kroatien, die im Sommer noch nicht komplett von Touristenmassen überrannt werden, die auch in der Hauptsaison noch wunderbare Ruhe bieten, wo eine Kugel Eis keine 3,50 € kostet (da es gar keine Eisdiele gibt!) und in denen man trotzdem im warmen Wasser der Adria baden kann. Wo? Hier, in Obrovac!

Das kleine Städtchen am Zrmanja-Fluss kann ganz bestimmt als kleiner Geheimtipp gelten, ist aber bestimmt auch nicht für alle Leute das Richtige, vor allem, wenn sie sich einen klassischen Strandurlaub vorstellen. Aber wie bereits erwähnt: Wem die Vorstellung von vollen Stränden und Städten, vor 5-Sterne-Resorts und überteuerten Preisen zuwider ist, der kann in diesem kleinen, charmanten Städtchen vielleicht auf seine Kosten kommen. Ich hatte hier auf jeden Fall eine sehr gute Woche (!) und kann mir sehr gut vorstellen, dass ich nochmal wiederkomme.

Hauptattraktion ist hier natürlich der eigentlich gar nicht fließende, aber direkt durch den Ort führende Fluss mit original warmem und salzigem Adria-Wasser. Original Hrvatska-Style-Strände sucht man hier jedoch vergeblich. Ein paar Dinge, die man unternehmen kann, findet man hier trotzdem. Z. B. kann man die nahegelegenen Jankovića-Wasserfälle besuchen, die über der Stadt thronende alte Burgruine besichtigen oder ein paar kleinere Wanderungen unternehmen. Am besten nimmt man sich aber trotzdem ganz in Ruhe Zeit für ein gutes Buch und lässt die Tage am Ufer sitzend einfach vorbeiziehen! Um das allerdings auch wirklich gut zu können, schaut euch auf jeden Fall meine Empfehlung für Unterkünfte hier an!

Geschichte

Der kleine Ort verfügt über eine überraschend lange und bewegte Geschichte, die sich bereits über mehr als 1000 Jahre zurückverfolgen lässt. Da das Städtchen an der Kreuzung der einst wichtigsten Handelswege zwischen Norddalmatien, der Adriaregion und dem Landesinneren der Balkanhalbinsel Kroatiens lag, wuchs es bis zum 14. Jahrhundert zu einem der bedeutendsten Handelszentren Norddalmatiens heran.

Die ersten Herrscher von Obrovac waren die Krbava-Fürsten der Familie Gusić, später bekannt als die Kurjaković-Fürsten (nach denen heute auch die Burgruine in der Stadt benannt ist). Während ihrer Herrschaft und auch danach war Obrovac vor allem für den Export von Pager und Zadarer Salz bekannt. Es galt zudem als Umschlagplatz für den Import von Vieh, Getreide, Holz und anderen Produkten aus dem Hinterland des Velebits für die Bewohner*innen von Zadar und anderen Küstenstädten Dalmatiens.

Ein strategisch so günstig gelegenes Fleckchen Erde war dabei natürlich unter den Herrschenden des Mittelalters heiß begehrt, sodass es im Laufe der Jahrhunderte mehrfach die Obrigkeit wechselte. Das Osmanische Reich, Venedig, Österreich, Frankreich und erneut Österreich hissten bereits ihre Flaggen über der Stadt, bevor diese nach dem Ersten Weltkrieg Teil des „Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen“ wurde – dem Vorgängerstaat des späteren Jugoslawiens. Ab 1945 war Obrovac Teil der kroatischen Teilrepublik, trotz serbischer Bevölkerungsmehrheit in der Stadt.

Der schnuckelige Marktplatz. Der vielleicht einzige Platz in der Stadt, wo noch Narben des Krieges zu sehen sind.

Da „fremde“ Bevölkerungsmehrheiten innerhalb der jeweiligen Teilrepubliken in den Unabhängigkeitskriegen Anfang der 1990er Jahre nahezu immer für Probleme und Auseinandersetzungen zwischen den unterschiedlichen Ethnien sorgten, war auch Obrovac hart umkämpft. Zwischen 1991 und 1995 gehörte es zum von Serben kontrollierten Gebiet der „Republik Serbische Krajina“. Erst mit der Operation Oluja, mit der letztlich auch der Krieg um die Unabhängigkeit Kroatiens beendet wurde, wurde Obrovac zwischen dem 4. und 7. August 1995 wieder Teil des souveränen kroatischen Staates.

Heute merkt man davon nicht mehr viel in der Stadt. Es gibt weder Häuser mit Einschusslöchern noch andere große Denk- oder Mahnmale zum Krieg (abgesehen von einer Gedenktafel für einen gefallenen Soldaten an der Brücke über die Zrmanja). Bemerkenswert ist jedoch, dass sich auch heute noch etwa ein Viertel der Bewohner*innen als Serben sehen – etwas, das im heutigen Kroatien nicht mehr allzu häufig vorkommt.

Highlights

Viel gibt es nicht zu tun in Obrovac, aber genau das sollte vielleicht der Grund sein, weshalb man hierherkommt.

Nichtsdestotrotz gibt es eine Handvoll schöner Dinge, die man machen kann, um die Zeit zu vertreiben. Wenn die Zeit knapp ist, kann man alles auch easy an einem einzigen Tag abklappern.

(1) Zrmanja

Dieser kleine Fluss fließt mitten durch das Städtchen und ist unangefochten der Hauptgrund, weshalb Menschen nach (oder durch) Obrovac kommen. Ich bin mir allerdings gar nicht so sicher, ob die Zrmanja an dieser Stelle wirklich als Fluss bezeichnet werden darf, da es sich eigentlich um den letzten Zipfel der Adria handelt, der Salzwasser führt und sogar ein wenig tidenabhängig ist. Von der anderen Seite her wird die Zrmanja jedoch trotzdem von einem wesentlich kühleren Zufluss aus den Bergen gespeist, sodass dem Fluss immer frisches Quellwasser zugeführt wird. Vor Obrovac gibt es kaum Zivilisation und daher auch keine Verschmutzung, weshalb der nur 69 km lange Fluss als einer der saubersten Europas gilt (zumindest wurde mir das vor Ort erzählt).

Die meisten Menschen, die Obrovac besuchen oder hier einen Stopp machen, kommen entweder auf oder wegen der Zrmanja hierher, die für einige Aktivitäten attraktiv ist. Aus Zadar oder von der Insel Pag bieten einige Organisationen Rafting-, Kanu- oder Bootstouren an. Die beiden letztgenannten Touren führen meistens durch den Zrmanja-Canyon bis zum Jankovića-Wasserfall, erstgenannte beginnen näher an der Quelle und enden dann ebenfalls am Wasserfall. In Obrovac selbst lassen sich nahe der Brücke über die Zrmanja Kanus oder Water-Bikes ausleihen; auch ein paar Anbieter von Bootstouren findet ihr hier. Spezielle Winnetou-Exkursionen werden ebenfalls angeboten, da einige Filmszenen in der direkten Umgebung gedreht wurden. Näheres dazu findet ihr im Abschnitt „Touren“.

Das Ufer der Zrmanja ist zumindest im Ortskern von Obrovac stark eingefasst und zugebaut, sodass die vorhandenen Schwimmplätze zwar einen einfachen Einstieg ins Wasser bieten, aber sonst nicht so mega attraktiv sind. Es ist halt eine Promenade. Besser hat man es, wenn man die Stadt verlässt und am natürlichen Ufer ins Wasser geht. Im Osten ist das Ufer allerdings größtenteils in Privatbesitz (sehr gute Idee, dort ein Apartment zu mieten, siehe „Unterkunft“), in westlicher Richtung sieht es da schon etwas besser aus. Vor allem hinter dem Sportplatz des „NK Zrmanja Obrovac“ gibt es ein paar geeignete Orte.

Beachten sollte man auf jeden Fall die Strömung im Fluss, vor allem bei abfließender Flut. Für geübte Schwimmer*innen sollte das zwar kein Problem sein, andere könnten dort aber vielleicht ein wenig überfordert sein.

(2) Jankovića Buk

Dieser kleine, aber sehr schöne Wasserfall liegt etwa 4,5 Kilometer vom Stadtzentrum von Obrovac entfernt. Erwartet hier keine Wasserfälle à la Krka oder Plitvice, aber einen Ausflug sind die Fälle auf jeden Fall wert! Neben den bereits erwähnten Optionen, hier mit dem Kanu oder einem Mietboot hinzufahren, kann man auch problemlos hinwandern oder mit dem Fahrrad dorthin fahren. Dafür folgt ihr einfach dem Fußweg am südlichen Zrmanja-Ufer in Richtung Osten. Zu Fuß würde ich für den Hin- und Rückweg jeweils etwa 1,5 Stunden einplanen. Mit dem Kanu haben wir etwa 45 Minuten bis eine Stunde pro Weg gebraucht.

Die Wasserfälle selbst sind sehr fotogen, aber auch schwimmen kann man hier sehr gut! Vor allem im oberen Bereich der Fälle ist das Wasser sehr klar und nicht mehr salzig, dafür aber etwas kälter als im unteren Bereich. Oben befinden sich auch einige kleinere „Pools“, in die man sich reinlegen kann.

Neben den Fällen gibt es ein etwas älteres Steinhaus, das allerdings einsturzgefährdet ist und daher nicht betreten werden sollte. Der Eintritt zu den Fällen ist frei. Nachmittags im Hochsommer sind hier immer ein paar Touristen unterwegs; ich würde empfehlen, möglichst am Vormittag zu kommen. Da stehen die Chancen gut, die Fälle für sich alleine zu haben.

(3) Kurjaković-Festung

Diese kleine, recht zerfallene Festung aus dem 14. Jahrhundert wurde ursprünglich von der Gusić-Familie erbaut, die später als die „Kurjaković-Prinzen“ bekannt wurde. Der Grundriss der Festung war rechteckig und wurde von Burgmauern eingegrenzt. Die Anlage bestand aus einem großen rechteckigen Innenhof und einem massiven Turm. Unterhalb der Festung befand sich eine Siedlung mit etwa dreißig Häusern, die ebenfalls von zwei kleineren Türmen geschützt wurden.

Heute ist nicht mehr so viel davon übrig, aber der Weg hoch lohnt sich trotzdem. Die Burg bietet einen schönen Blick über die Stadt, die Zrmanja und die umliegenden Berge. Besonders bei Sonnenuntergang ist es hier sehr schön!

Zur Festung gelangt man am besten über einen kleinen Weg von der Kirche „Sveti Josip“, die wiederum über eine Treppe aus der „Innenstadt“ erreichbar ist. Der Aufstieg ist nicht schwierig und sollte nicht länger als 10–15 Minuten dauern.

(4) Talijanka-Festung

Wem die Aussicht von der Kurjaković-Festung nicht gut genug ist, der kann noch zu dieser kleinen Festung hochwandern, die noch ein ganzes Stück höher liegt und einen beeindruckenderen Ausblick bietet. Der Weg dorthin ist allerdings recht steil und kann ein bisschen anstrengend sein. Unterwegs kommt man wohl an drei kleinen Höhlen vorbei. Da es in meiner Woche durchgängig 36 °C war, haben wir den Aufstieg dorthin jedoch nicht unternommen.

(5) Aussichtspunkt Jokići

Diesen Aussichtspunkt erreicht man nach etwa einem Kilometer entlang der eigentlichen Hauptstraße von Obrovac. Er liegt etwas versteckt hinter einem riesigen Stein in einer Kurve. Von hier aus hat man einen sehr schönen Blick auf die sich durch die Landschaft schlängelnde Zrmanja.

Es gibt auch einen kleinen Pfad, der zum Fluss hinunterführt, zu einer schönen Badestelle. Uns wurde jedoch empfohlen, diesen derzeit nicht zu benutzen, da er wohl in keinem guten Zustand ist.

Auf dem Weg hin- und zurück zum Aussichtspunkt sollte man ein wenig aufpassen, da es keinen Bürgersteig gibt. Allerdings herrscht hier auch nicht viel Verkehr.

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(6-7) Unterkunft

Budget

(6) Villa Zrmanja | Apartments
Eine Woche waren wir insgesamt hier und haben uns dabei absolut pudelwohl gefühlt. Die beiden Wohnungen die Natalija zusammen mit ihrer Mutter Marina vermietet sind gerade einmal 7-8 Minuten vom Ortskern entfernt und liegen auf einem kleinen Hang direkt am Fluss. Das bedeutet auch, dass man hier einen eigenen kleinen Privatstrand-Abschnitt hat, den man sich während des Tages höchstens mit ein paar Gänsen teilen muss, die hier auch gerne abhängen. Die kleinen Apartments sind einfach und zweckgemäß, sehr sauber und die große Dachterrasse mit wunderschönen Blick über die Zrmanja eignet sich hervorragend für ein langes Frühstück oder einem Glas Wein am Abend. Für mich persönlich wird das sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich hier untergekommen bin. Vor allem ideal, wenn man mal ein paar Tage wirklich seine Ruhe haben möchte.
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Mittelklasse

(7) Hotel & Restaurant Kanjon Zrmanja
Das beste Hotel am Platz befindet sich direkt im Stadtkern, ein kleines Stück neben und unterhalb der Brücke über die Zrmanja. Das relativ neu restaurierte Hotel liegt ebenfalls direkt am Fluss, verfügt allerdings über keinen eigenen Strand 😉. Dafür gibt es einen Wellnessbereich mit Sauna, Whirlpool und Fitnessbereich, dessen Nutzung bereits im Preis inbegriffen ist. Das angeschlossene Restaurant ist ebenfalls das wohl beste des Städtchens und daher der „Go-To-Ort“ auch für Leute, die woanders untergekommen sind. Im Sommer kann man hier gemütlich draußen sitzen. Die Pizza ist super!
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(8-9) Gastronomie

(8) Masa | Fast Food
Wenn es mal schnell gehen muss oder man direkt nach der Ankunft hungrig ist, kann man hier ganz gut essen. Auf dem Speiseplan stehen Fast-Food-Klassiker wie Burger, Tortillas und Sandwiches. Auf Nachfrage gibt es auch ein paar vegetarische Optionen. Im Sommer kann man ganz gut unter den Sonnenschirmen draußen sitzen und sich vom nebenan gelegenen Café ein Bier zum Essen dazu bestellen.

(9) Relax | Café, Bar
Meiner Meinung nach das beste und angenehmste Café in Obrovac, da man von hier aus die Umgebung ein wenig beobachten kann, auch wenn, zugegebenermaßen, dort meistens nicht allzu viel passiert. Das Café ist auf jeden Fall sehr günstig, sowohl was Kaffee als auch Bier angeht, und der Service ist meistens aufmerksam und schnell. Oft ja auch keine Selbstverständlichkeit.

(10) Transport

Bus

Wer nicht mit dem eigenen Auto oder einem Mietwagen anreist, kommt von Zadar sehr bequem mit dem Bus nach Obrovac. Dafür muss man vom Flughafen erst einmal mit dem normalen Shuttle-Bus zum zentralen Busbahnhof in Zadar fahren und dort die Linie 128 nach Obrovac (Endstation) nehmen. Der Bus fährt allerdings nur dreimal täglich aus jeder Richtung (von Zadar aus um 10:30, 14:20 und 20:15, vom Busbahnhof Obrovac (10) aus um 06:00, 12:15 und 16:30), samstags nur einmal und sonntags gar nicht. Die einfache Fahrt kostet 5,00 €. Den aktuellen Fahrplan findet ihr bei Liburnija Zadar, dem örtlichen Nahverkehrsunternehmen, hier: Liburnija Zadar Fahrplan.

Weiter geht’s!

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