Blagaj

kloster, burg, adrenalin

Inhalt

Nur etwa 15 km von Mostar entfernt liegt Blagaj, ein kleiner Ort mit langer Historie und ein beliebter Tagesausflug von Mostar, sowohl für Touristen als auch für Einheimische. Doch während die meisten nur für 2-3 Stunden herkommen, um das Derwischkloster und die größte Karst-Flussquelle Europas zu besuchen, gibt es hier noch viel mehr zu tun und zu erleben.

Blagaj

Einführung

Die Berge rund um Blagaj sind eine großartige Kletterdestination, und es gibt einen coolen Klettersteig durch die Vulin Potok-Schlucht. Dazu kommt noch die Ruine einer Burg, die damals Herzog Stjepan Vukčić Kosača, quasi dem Namensgeber der heutigen Herzegowina, als Stammsitz diente. Alleine die Burgruine wäre, wenn wir nicht gerade in Bosnien-Herzegowina wären, sicherlich in anderen Ländern Europas eine perfekt rekonstruierte und kommerzialisierte Top-Sehenswürdigkeit, die auf dem festen Tourenplan der meisten Tourbusse stehen würde. Aber da wir nun mal in BiH sind, hat man die Ruine mitsamt der großartigen Aussicht von dort häufig auch mal ganz für sich alleine.

Das alles, plus die wunderschöne Lage am kristallklaren Buna-Fluss, machen Blagaj auf jeden Fall zu mehr als nur einem Tagesausflug!

Die im Sonnenuntergang langsam erstrahlende Stjepangrad-Festung

Geschichte

Wenn man so möchte, beginnt die Geschichte von Blagaj schon vor etwa 6000 Jahren, als die sogenannte „Grüne Höhle“ oberhalb der Buna-Quelle bereits in der Jungsteinzeit bewohnt und besiedelt war, wie Grabungen dort ergaben. Die Grüne Höhle (oder Grüne Grotte) gilt damit als erste Höhlensiedlung, die in BiH systematisch erforscht wurde. Die Grüne Höhle ist heute ein paläontologisches Naturdenkmal, kann aber leider nicht besichtigt werden, da sie nur sehr schwer zugänglich ist.

In der Antike gab es in der Gegend von Blagaj eine illyrische Festung und ein römisches Castrum. Seit dem 5. oder 6. Jahrhundert ist die Existenz einer organisierten christlichen Gemeinde belegt. Für Ende des 12. Jahrhunderts ist die Weihung einer Kirche belegt, zugleich auch eines der ältesten Schriftdokumente in kroatischer Sprache. Vor der Ankunft der Osmanen im Jahr 1466 war Blagaj als Residenzsitz der Familien Hranic und Kosac bekannt, die zu damaliger Zeit eine große Macht besaßen.

In osmanischer Zeit war Blagaj ebenfalls Herrschaftssitz und besaß sieben Moscheen, zwei Gasthäuser und vier Steinbrücken über die Buna. Bis 1835 war die Stadt größtenteils von Muslimen bewohnt, die in dieser Zeit auch das Sufi-Derwischkloster errichteten, welches noch heute über die Bunaquelle wacht.
Am 9. Mai 1941 erreichte Blagaj noch einmal traurige Berühmtheit, als die faschistische kroatische Ustascha hier 400 serbische Zivilisten tötete, was als „Blagaj-Massaker“ bekannt wurde.

Sehenswürdigkeiten & Aktivitäten

Bunaquelle & Derwischkloster

Eintritt: 4 KM

Der Fluss Buna, ein nur neun Kilometer langer Nebenfluss der Neretva, entspringt in Blagaj aus einem eindrucksvollen 200 Meter hohen Felsmassiv, an dessen unterem Ende sich eine Art Höhle befindet. Es sieht so aus, als ob das Wasser einfach aus dem Nichts aus dem Gestein herausfließt. Das ist auch gar nicht mal so falsch; die Höhle, aus der das Wasser herausquillt, ist nämlich gar nicht groß, und außer Stein sieht man da sonst nichts. Angesichts der Tatsache, dass das wirklich keine sonderlich kleine Quelle ist, sondern dadurch ein vielleicht 10- bis 15 Meter breiter Fluss entsteht, fragt man sich schon, wie sowas funktioniert. Das hat anscheinend nicht nur mich beeindruckt, sondern vor Jahrhunderten auch einen türkischen Sultan derart, dass er dort ein Derwischkloster errichten ließ.

Das Derwischenkloster
In dieser kleinen Höhle mitten im Fels entspringt die Buna

Die Derwischen sind eine spirituelle Gruppe im Sufismus, die für ihre mystische Auslegung des Islams bekannt sind und an die Einheit alles Existierenden glauben. Vor allem sind sie in Pakistan, dem Iran und dem Irak beheimatet, aber eben auch in Bosnien und Europa. Das Kloster selbst gilt als Tekija oder Tekke, als Ort des spirituellen Rückzugs und der Besinnung. In seiner beeindruckenden Umgebung und dem friedlichen Rauschen der Buna kann man auf jeden Fall sehr gut nachvollziehen, weshalb dieser Standort als adäquat dafür erachtet wurde. Zumindest damals, denn heute ist das natürlich schon zu einem touristischen Ort geworden. An beiden Seiten der Buna befinden sich Souvenirstände und einige kleinere Restaurants, die zu einem Mittagessen einladen. Alkohol wird hier übrigens nicht verkauft. Von dort ist es auch möglich, mit einem kleinen Boot kurz in die Quellhöhle der Buna reinzufahren. Habe das aber selbst nicht gemacht.

Das Innere des Klosters ist ein friedlicher und interessanter Ort mit vielen unterschiedlichen Räumen, die meistens mit schönen Teppichen ausgelegt sind und nicht viele Möbel enthalten. Die Decken sind meistens aus Holz und ebenfalls schlicht gehalten. Es gibt ein Mausoleum und ein türkisches Bad. Der Eintritt kostet hier übrigens 4 KM und ist es auf jeden Fall wert, einen Blick zu riskieren. Die Tekke ist im Übrigen immer noch ein praktizierendes Kloster, weshalb es sein kann, dass zu gewissen Andachtszeiten dieses kurzfristig geschlossen ist. Bitte beachtet, dass der Zutritt in kurzer Sommerkleidung nicht erlaubt ist. Schultern sollten auf jeden Fall immer bedeckt sein.

Stjepangrad (Blagaj-Festung)

Eintritt frei

Eine alte Festung, die wirklich noch wie aus dem Mittelalter aussieht, auch wenn man für das Interieur doch ein wenig Fantasie braucht, um sich vorzustellen, wie es hier mal zugegangen sein mag. Auf 310 m über dem Meeresspiegel und 266 m über der Bunaquelle und dem Kloster gelegen, bietet die Ruine eine grandiose Aussicht auf die gesamte Tiefebene rund um Mostar.

Man kann sich gut vorstellen, warum ausgerechnet hier eine Burg gebaut wurde, da es erstens nicht so einfach ist, hier hochzukommen (den kleinen Zick-Zack-Pfad vom Nordosten der Burg hochzugehen, dauert ca. 15-20 Minuten, je nach Fitnesslevel), und man wirklich alles genau beobachten kann, wer da so auf die Burg zugaloppiert kommt. Seit über 700 Jahren thront die Burg (bzw. deren Ruine) nun schon über der kleinen Stadt. Zur Zeit von König Tvrtko stellten bosnische Herrscher Urkunden in Blagaj aus, und im Mai 1404 wurde Blagaj eine der Residenzen des Herzogs Stjepan Vukčić Kosača, nach dem das Volk die Festung umgangssprachlich benannte. Die Osmanen besetzten Blagaj im Jahr 1465 und reparierten das Fort zweimal: 1699 und 1827. Bis 1835 war dort eine Garnison stationiert, obwohl Mostar die frühere strategische Rolle des Forts längst übernommen hatte.

Von der Burg geht ein kleiner Wanderpfad ab, der zu einem beliebten Klettergebiet führt und später zur Via Ferrata Vulin Potok (ein Klettersteig), bei dem man ohne Kletterausrüstung nicht weitergehen kann. Womit wir auch schon beim nächsten Punkt wären.

Via Ferrata Vulin Potok

Wer die riesige Felswand oberhalb der Bunaquelle sieht, kann sich sicher vorstellen, dass es auch im Gebirge dahinter einige super Kletterwände gibt, und die Landschaft ist ebenfalls wunderschön! Es gibt auch den 1500 Meter langen Klettersteig „Vulin Potok“, der durch eine Schlucht führt und am Ende bei der Festung endet. Auch wenn der Klettersteig natürlich mit einer Sicherung absolviert wird, ist das nichts für Menschen mit Höhenangst. Die gesamte Tour dauert etwa 3 Stunden.

Wer möchte, kann auch eine Zweitagestour buchen und in einer kleinen A-Frame-Hütte mitten im Nirgendwo übernachten, um am nächsten Tag auf der Rebro-Wand Sportklettern oder auf einer Slackline über einen Canyon zu laufen.
Auf den angebotenen Touren erfährt man nebenbei auch einiges mehr über die Pflanzen und Tiere, die in dieser Schlucht leben, und über das Ökosystem Bosnien-Herzegowinas!

Buchen könnt ihr das alles bei Blagaj Climbing, die Leute kann ich euch auf jeden Fall voll und ganz empfehlen!

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Unterkunft

Ihr könnt natürlich in Mostar übernachten, um von dort einfach einen Tagestrip nach Blagaj zu unternehmen, aber wenn ihr möchtet, bietet auch Blagaj einige schöne Möglichkeiten zum Übernachten. Auf der Straße Richtung Blagaj gibt es darüber hinaus einige Autocamps für Menschen, die mit dem Camper oder Wohnmobil unterwegs sind.

Camping


An der Buna entlang gibt es einige wunderschöne Campingplätze, die im Endeffekt alle relativ ähnlich sind und sich in der hohen Qualität nicht großartig unterscheiden. Die Campingplätze sind dabei meistens sehr schattig und wirklich direkt am Ufer der Buna gelegen. Beachtet, dass ihr bei den meisten entweder euer eigenes Zelt oder euren eigenen Camper braucht und keine Chalets o. ä. angeboten werden. Camping für zwei Personen und ein Wohnmobil/Camper kostet dabei meistens etwa 15-20 € pro Nacht. Eine Auswahl:

Autocamp Blagaj
Camp Bara
Autocamp Grotta
Camping Aganovac (Aganovac)

Wenn ihr komplett autark seid, könnt ihr auch relativ problemlos am Parkplatz unterhalb der Burg frei stehen. Aber lasst keinen Müll zurück oder nehmt besser noch welchen mit, der eventuell da ist.

Im Autocamp Blagaj lässt sich auch gut mal ein Tag Pause machen

Apartments

Apartment Garden
Ein super ausgestattetes Apartment zum kleinen Preis mit Zugang zum tippitoppi gepflegten Garten. Hier können bis zu vier Menschen übernachten, es gibt ein Zimmer mit Doppelbett und eines mit zwei separaten Einzelbetten. Die Küche ist sehr modern und nagelneu, wie es scheint. Natürlich ist auch alles sehr sauber.
Hier geht‘s zur Buchung. 

Villa San
Noch ein wunderschönes Apartment, direkt an der Buna gelegen. Hier werdet ihr zum Rauschen eines kleinen Wasserfalls einschlafen und vom Balkon habt ihr einen schönen Blick in die Umgebung und auf den Fluss. Das Derwischkloster und die Bunaquelle sind nicht weit weg und abends könnt ihr im Garten grillen oder ein kleines Feuer machen.
Hier geht‘s zur Buchung. 

House on the River
Wenn ihr euch ein bisschen mehr Luxus gönnen möchtet, ist dies hier der Platz, den ihr euch aussuchen solltet. Wie der Name schon sagt, ist die Villa mit insgesamt drei Schlafzimmern ebenfalls direkt an der Buna gelegen und bietet euch zusätzlich noch einen Pool im Garten, wenn euch das Wasser der Buna zu kalt ist (sehr wahrscheinlich – es hat nur ca. 10°C, auch im Sommer).
Hier geht‘s zur Buchung.

Touren

Geführte Touren sind meiner Meinung nach für Blagaj nicht unbedingt nötig, allerdings kann es durchaus Sinn machen, aus Mostar heraus eine Tour zu buchen, die euch hin und zurück bringt und eventuell auch noch weitere Orte in der Umgebung ansteuert. So werden häufig Blagaj, Počitelj und die Kravica-Wasserfälle zu einer Ganztagestour. Die einfachste Art und Weise, um diese zu buchen, ist über Get Your Guide, z.B. diese hier.

Restaurants

Restoran Bunski Biser | Bosnisch, Mediterran
Das Restaurant „Bunas Perle“, wie es auf Deutsch übersetzt heißt, findet ihr direkt an der kleinen Brücke über den Fluss an der Bunaquelle. Das Restaurant bietet alle bosnischen Spezialitäten plus einige vegetarische Optionen wie beispielsweise Falafel und Hummus. Darüber hinaus kann man hier auch übernachten.

Essen mit Aussicht im Bunski Biser

Restaurant Vrelo | Bosnisch
Ein weiteres Restaurant an der Bunaquelle, eines von sieben oder acht. Dieses ist das erste Restaurant und dadurch am nächsten an der Quelle, mit der besten Aussicht – wobei die Aussicht dort nirgendwo schlecht ist. Für die beste Aussicht zahlt man hier jedoch auch einen kleinen Zuschlag bei den Essenspreisen.

Restoran Čaršija | Bosnisch, Pizza
Nicht mehr direkt an der Bunaquelle, dafür aber mitten im Ortskern, überzeugt dieses Restaurant sowohl bei der Qualität des Essens als auch beim Preis. Hier ist es auf jeden Fall um einiges günstiger als direkt bei den Touristen-Restaurants weiter hinten 😉 Es gibt Pizza, alle bosnischen Spezialitäten und sehr leckeres Brot.

Transport

Ich würde sagen, es gibt drei Möglichkeiten, um von Mostar ohne eigenes Auto nach Blagaj zu kommen. Wenn ihr mit dem eigenen Auto fahrt, beachtet, dass das Parken an der Bunaquelle 4 KM kostet. Das fällt auch schon an, wenn man einen Kilometer vorher auf einem offiziellen Parkplatz parkt. Falls ihr in der Gegend übernachtet, solltet ihr also besser erst zum Campingplatz und dann zu Fuß zur Quelle gehen. Die anderen drei Möglichkeiten:

  1. Öffentlicher Bus
    Die günstigste Art und Weise, um aus Mostar nach Blagaj zu kommen, ist der normale Stadtbus. Preis-Leistungsmäßig sicherlich auch die beste. Die Routen 10 (Richtung Blagaj), 11 (R. Comori) und 12 (R. Malo Pole / Dom) halten alle in Blagaj und brauchen etwa 30 Minuten. Da Blagaj in der Zone 2 liegt, kostet die einfache Fahrt dorthin 2,10 KM. Die Busse fahren von der Ostseite Mostars, z. B. von den beiden (lokalen) Hauptbusstationen Zora und Pozoriste.

  2. Taxi
    Ein verlässliches Taxi-Unternehmen in Mostar ist „Moj Taxi 1503“. Ihr erreicht das Unternehmen unter +387 (0)63 1503 00. Eine Fahrt nach Blagaj sollte etwa mit 20 KM zu Buche schlagen.

  3. Tour
    Wenn ihr eine Tour bucht, müsst ihr euch natürlich um gar nichts kümmern und werdet vom Hotel abgeholt und nach Blagaj gebracht. Näheres hier.

Weiter geht’s!

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