Kupari

düsteres mahnmal gegen den krieg

Inhalt

Vor etwas mehr als 30 Jahren war hier mal richtig was los. Tito hatte eine Villa hier und empfing Staatsgäste aus aller Welt, Touristen strömten aus allen Richtungen in die luxuriösen Hotels an einem der schönsten Strände Dalmatiens. Im Wasser spielten Kinder, auf dem Campingplatz verbrachten Familien die schönste Zeit des Jahres. Kupari stand für den perfekten Strandurlaub und war das wohl berühmteste jugoslawische Feriendomizil. Aber nicht nur aus dem zusammengebrochenen Staat kamen die Besucher*innen, auch im restlichen Europa war Kupari sehr bekannt und beliebt. Auf dem Höhepunkt des Jugo-Tourismus in Deutschland in den 80er Jahren standen Kupari und Dubrovnik ganz oben auf der Liste. Auch heute noch nimmt Kupari für viele Menschen einen speziellen Platz im Herzen ein, Erinnerungen an unbeschwerte Sommerurlaube am glasklaren Meer und dem traumhaften Strand werden aber für immer nur noch Erinnerungen bleiben.

1991 brach dann mit dem Jugoslawienkrieg (in Kroatien „Heimatkrieg“ genannt) eine Tragödie unvorstellbaren Ausmaßes über das Land herein, für Kupari glich es einer Apokalypse und bedeutete das Aus aller Urlaubsträume. Zerbombt, zerschossen und geplündert stehen die Ruinen immer noch am Meer und dienen nun als Mahnmal für die zerstörerische Sinnlosigkeit des Krieges.

Die Zeit scheint hier stehengeblieben zu sein. Wenn man von einigen bunten Graffiti absieht, hat sich hier in den letzten 30 Jahren nicht viel getan. Um wieder wachgeküsst zu werden und den alten Glanz wiederherzustellen, bräuchte man aber auch eine Menge Mut und vermutlich noch sehr viel mehr Geld, um sich auf dieses Projekt einzulassen.

Aber ganz verlassen sind die Ruinen auch heute nicht. Sie haben sich zu einem beliebten Tagestrip ab Dubrovnik entwickelt und sind ein berühmtes Ziel für Liebhaber*innen von Lost Places. Im Sommer liegen auch am Strand wieder einige Badegäste oder joggen an der Promenade. Der Campingplatz ist der einzige Ort, der nach dem Krieg überlebt hat und weiterhin Gäste willkommen hieß, auch wenn dieser anscheinend seit der Saison 2020 auch nicht mehr geöffnet ist. Aber da wird sich sicherlich bald wieder etwas tun, da bin ich mir sicher.

Der Ort ist auch wirklich einen Besuch wert. Nicht nur, dass er einen sehr nachdenklich machen und auch deprimierend wirken kann, er hat trotzdem auch eine ganz besondere Endzeit-Atmosphäre, die etwas gruselig ist, aber auch fasziniert. Man kann sich sehr gut in die alte Zeit zurückversetzen und sich vorstellen, wie es dort damals einmal ausgesehen hat, wie der Blick von den Balkonen war und was in den Hotellobbys und -restaurants für ein Treiben geherrscht hat. Und fotogen ist das alles auf jeden Fall auch!

Geschichte

Der Ort Kupari war damals dafür bekannt, dass hier die berühmten roten Dachziegel der Stadt gefertigt wurden, die in der Region „Kupa“ genannt werden. Einen ersten Aufschwung erlebte Kupari bereits im Jahr 1920, als hier das erste touristische Hotel an der dalmatischen Riviera gebaut wurde, das auch für den Tourismus in Dubrovnik Pionierarbeit leistete. Das Gebäude des „Grand Hotel“, wie es getauft wurde, steht auch heute noch – naja, wenn man es denn so nennen möchte.

In den 1960er-Jahren wurden fünf weitere Hotels (Mladost, Goričina, Pelegrin, Kupari und Galeb) und ein Campingplatz errichtet, die zunächst nur für die Elite und deren Angehörige der jugoslawischen Armee (JNA) reserviert waren. Bittere Ironie des Schicksals: Es waren genau die serbisch-montenegrinischen Reste der JNA, die das Resort 1991 auch zerbombten und nichts außer die nackten Skelette der einst pompösen Hotels hinterließen. Auch einige Villen für sehr wichtige Persönlichkeiten wurden im direkten Umfeld gebaut, darunter auch eine für Staatschef Tito, der hier gerne ausländische Staatsgäste für einen Urlaub einquartierte.

Postkarte aus Kupari aus den 80ern. Via The Dubrovnik Times

In den 70ern öffnete Kupari seine Pforten dann auch für das gemeine Fußvolk im Land, wobei es weiterhin das exklusivste Vergnügen des Landes war, wenn man seinen Urlaub in Kupari verbringen durfte. Außer bei den reservierten Kontingenten für Besucher aus dem Ausland brauchte man nämlich ziemlich gute Verbindungen nach oben, um sich hier ein Zimmer zu sichern oder selbst auf dem Campingplatz eine Parzelle zu ergattern.

Nach der kroatischen Unabhängigkeitserklärung im Juni 1991 und den darauffolgenden Kämpfen im ganzen Land wurde auch Kupari nicht verschont. Ab September 1991 griffen unmittelbare Kampfhandlungen auch auf den Gebäudekomplex über. Nachdem sich zunächst dort stationierte Soldaten der JNA ergeben hatten, übernahm das kroatische Militär die Anlage, worauf es ab Oktober mehrmals beschossen und bebombt wurde. Am 20. Oktober 1991 wurde Kupari direkt angegriffen und am 24. Oktober, genauso wie das benachbarte Srebreno, endgültig eingenommen. Es wurde ein Gefechtsstand eingerichtet, von dem das benachbarte und von Oktober 1991 bis Mai 1992 belagerte Dubrovnik angegriffen wurde. Ende Mai 1992 konnte die kroatische Armee Kupari allerdings wieder zurückerobern, wobei der gesamte Komplex zu dieser Zeit bereits völlig zerstört war.

Heute sind die Gebäudehüllen von Efeu, Unkraut und Bäumen überwuchert. Die Strände, die sich vor den Ruinen erstrecken, sind im Sommer nach wie vor beliebt.

Bildergalerie

(1-3) Übernachten

In direkter Umgebung der Ruinen gibt es ein paar Guesthouses und in den beiden nebenan gelegenen Orten Srebreno und Mlini auch einige Hotels. Kupari ist dank der guten Busverbindung im Übrigen auch ein toller Ausgangspunkt, um Dubrovnik zu erkunden.

(01) Kupari Hill
Das nächstgelegene Apartment zu den Ruinen findet ihr hier. Es sind nur fünf Minuten zu Fuß bis zum Strand. Das bunt, aber dennoch stilvoll eingerichtete Apartment ist modern und ziemlich neu. Die beiden Gastgeber sind nett und zuvorkommend. Auf der Terrasse lässt es sich nach einem anstrengenden Strand- oder Sightseeing-Tag gut entspannen.
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(02) Sheraton Dubrovnik Riviera
Dieses große Luxushotel liegt in der Bucht von Srebreno, nicht weit von Kupari entfernt. Trotz der Größe mit insgesamt 239 Zimmern geht es hier ruhig zu. Der üppige Hotelgarten reicht direkt bis an den Strand. Der gesamte Komplex ist modern und bietet sämtliche Annehmlichkeiten, die man von der Kette gewohnt ist.
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(03) Maistra Select Mlini
Das 4-Sterne-Hotel liegt direkt über dem Strand und der Promenade und ist eine Oase der Ruhe und Entspannung, nur ca. 2 km von Mlini entfernt. Direkt am Strand befindet sich das Bistro und Restaurant Oleander für kulinarische Abenteuer, und die Promenade lädt zu einem Spaziergang oder einer Runde joggen ein.
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(4a, 4b)Transport

Es ist sehr günstig und einfach, von Dubrovnik nach Kupari zu kommen: Nehmt den Bus! Alle Linien, die von Dubrovnik vom Busbahnhof in Richtung Osten fahren, kommen durch Kupari und können euch an der Bushaltestelle, die durch den Ort verläuft, rauslassen. Von der Bushaltestelle müsst ihr ein kleines Stück zurückgehen und dann die erste Straße links abbiegen (von Dubrovnik aus kommend). Bis zum Strand sind es dann etwa 300-400 m die Straße runter. Alternativ könnt ihr auch mit der Linie 16a oder 23a nach Srebreno fahren und dann an der Promenade entlang nach Kupari laufen. Ist auch ein schöner Spaziergang. Die einfache Fahrt nach Kupari kostete 2022 27 kn, wird also 2023 bei etwa 4 € liegen.

Hier findet ihr den Fahrplan (Link)

Weiter geht’s!

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