Bosnien und Herzegowina

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Inhalt

Bosnien und Herzegowina! Was für ein Land! Ich kann euch nicht sagen, weshalb, aber mir scheint, als wäre BiH vielleicht das am meisten unterschätzte Land auf dem Balkan. Liegt es daran, dass das Land nur einen kleinen Zugang zum Meer hat und daher keine Strandtouristen anzieht? Sind es immer noch die Erinnerungen aus dem Bosnien-Krieg, die dem Land noch immer anhaften?

Was auch immer es ist, für mich ist Bosnien-Herzegowina eines der freundlichsten, kulturell interessantesten und schönsten Länder Europas, und das Land hätte es verdient, eines der meistbesuchten Länder des Kontinents zu sein.

Aber dass dem nicht so ist, hat natürlich auch seine Vorteile. Im Vergleich zu Kroatien und Montenegro ist das Land auch im Sommer nicht überlaufen, und wenn man etwas weiter von den typischen Touri-Destinationen wegkommt, dann ist weit und breit kein Tourist mehr zu sehen.

Wie lange das so bleibt, ist fraglich, denn es spricht sich auch in anderen Teilen Europas langsam, aber sicher herum, dass Bosnien ein großartiges Reiseziel ist. Also schnell hin da!

Daten und Fakten

Offizieller Name

Republik Bosnien und Herzegowina

Republika Bosna i Hercegovina

HauptstadtSarajevo
Fläche51.197 km² (etwas größer als Niedersachsen)
Einwohner3,3 Millionen
Bevölkerungsdichteca. 65 Einwohner / m² (Deutschland ca. 232 E. / m²)
Durchschnittsalter38,4 Jahre (Deutschland 44,5 Jahre)
ReligionIslam (ca. 50%), orthodoxes Christentum (ca. 30%), Katholizismus (ca. 15%)
Amtssprache

Offiziell: Keine

De fakto: Bosnisch, Kroatisch, Serbisch (zusammengefasst als Serbo-Kroatisch)

WährungKonvertible Mark (Abk.: KM, BAM) 1 KM = 1,95€
BIP / Einwohner5.325€ / Jahr (Deutschland: 40.348€ / Jahr)

Bosnien und Herzegowina heute

Ende 2021 war Bosnien und Herzegowina wieder in den weltweiten Medien. Der Grund dafür war nicht sonderlich positiv: Viele Medienschaffende befürchteten, dass das Land vor der Spaltung steht und sogar ein neuer Krieg zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen drohen könnte. Die Spannungen im Land stiegen in der Tat, da die serbische Teilrepublik in ihrem Parlament beschloss, dem Zentralstaat wichtige Kernkompetenzen zu entziehen und von nun an die Armee, die Justiz und das Steuersystem in ihrem Teil selbst in die Hand zu nehmen. Innerhalb von sechs Monaten soll die Abspaltung in diesen Bereichen über die Bühne gegangen sein, was de facto einer Abspaltung gleichkommen würde. Das Dayton-Abkommen, welches 1995 für das Ende des Bürgerkrieges und die Aufteilung des Landes in zwei nahezu gleich große Entitäten sorgte (die serbische Republik Srpska und die bosniakisch-kroatische Föderation von Bosnien und Herzegowina), ist in Gefahr.

Das Trauma der jüngeren Geschichte bleibt spürbar, was sowohl durch die Einschusslöcher in städtischen Gebäuden als auch durch ein weit verbreitetes Misstrauen gegenüber der Regierung zum Ausdruck kommt. Bosnien ist ein wunderschönes, aber sehr komplexes Land, ein Land der Widersprüche, in dem Ost auf West trifft und in dem mehrere Ideologien zusammengekommen sind, um sich zu einer lebendigen, vielfältigen Kultur zu entwickeln. Auch wenn den Besucher*Innen aus Deutschland dort vieles aus dem Alltag bekannt vorkommt, gibt es Unterschiede, die verblüffend sein können. Die Kultur kann verwirrend und die Bürokratie frustrierend sein, sogar für die Einheimischen, weshalb das Land vielleicht auch heute immer noch am Scheideweg steht.

Um sich hier so richtig wohlzufühlen, nimmt man am besten die lokale Haltung „Es kommt, wie es kommt“ ein, mit zuckenden Schultern und einem Lächeln im Gesicht. Die bosnische Gesellschaft lohnt es sich aber auf jeden Fall kennenzulernen, denn die Bosnier sind generell ein freundlicher und gastfreundlicher Menschenschlag, der jedoch pessimistisch in die Zukunft blickt.

Auch wenn der Krieg den Alltag immer noch beeinflusst, sieht die Gegenwart doch ganz anders aus. Skeptische Reisende sollten sich erst einmal entspannen – ja, es gibt Strom, Kabelfernsehen, mobiles Internet, Toiletten mit Spülung und eine gebildete Bevölkerung. Der Lebensstandard und vor allem der Verdienst sind zwar nicht so hoch wie z. B. in Deutschland, aber Bosnien ist alles andere als mittelalterlich.

In seiner politischen und wirtschaftlichen Entwicklung hinkt das Land also immer noch den meisten anderen Ländern in Europa hinterher. Die Arbeitslosigkeit beträgt offiziell etwa 20 %, die Jugendarbeitslosigkeit soll sogar bei etwa 60 % liegen, was zwar durch einen großen informellen Arbeitssektor etwas gemildert wird, das Land aber trotz aller Säkularisierung und Modernisierung in den letzten 25 Jahren derzeit nicht die Aussichten für junge Menschen bietet, die sie sich wünschen würden. Die Konsequenz ist, dass das Land mit einem großen „Brain Drain“ zu kämpfen hat – der Emigration gut ausgebildeter junger Leute in andere Länder, wo sie für sich bessere Zukunftschancen sehen.

Die drei größten Bevölkerungsgruppen des Landes – die muslimischen Bosniaken, die christlich-orthodoxen Serben und die katholischen Kroaten – teilten sich die Provinz Bosnien und Herzegowina innerhalb Jugoslawiens bis 1992, als das Land zerfiel, nahezu in gleichen Proportionen. Seitdem kam es jedoch zu dramatischen demografischen Veränderungen. Infolge der ethnischen Säuberungen in den 1990er Jahren sind die nördlichen Teile Bosniens heute hauptsächlich serbisch. Sarajevo ist viel muslimischer als 1990, und im Westen dominieren weiterhin Kroaten.

Apartmentsgebäude in Mostar, die zur Mahnung an den Krieg mit einer Wand, die nicht renoviert wurde.

In seiner politischen und wirtschaftlichen Entwicklung hinkt das Land also immer noch den meisten anderen Ländern in Europa hinterher. Die Arbeitslosigkeit beträgt offiziell etwa 20 %, die Jugendarbeitslosigkeit soll sogar bei etwa 60 % liegen, was zwar durch einen großen informellen Arbeitssektor etwas gemildert wird, das Land aber trotz aller Säkularisierung und Modernisierung in den letzten 25 Jahren derzeit nicht die Aussichten für junge Menschen bietet, die sie sich wünschen würden. Mit der Konsequenz, dass das Land mit einem großen „Brain Drain“ zu kämpfen hat – die Emigration gut ausgebildeter junger Leute in andere Länder, wo sie für sich bessere Zukunftschancen sehen.

Die drei größten Bevölkerungsgruppen des Landes, die muslimischen Bosniaken, die christlich-orthodoxen Serben und die katholischen Kroaten, teilten sich die Provinz Bosnien und Herzegowina innerhalb Jugoslawiens bis 1992, als das Land zerfiel, nahezu in gleichen Proportionen. Seitdem kam es aber zu dramatischen demografischen Veränderungen. Infolge der ethnischen Säuberungen in den 1990er Jahren sind die nördlichen Teile Bosniens heute hauptsächlich serbisch. Sarajevo ist viel muslimischer als 1990, und im Westen dominieren weiterhin Kroaten.

Auch wenn die Religion der bestimmende Faktor in der Unterscheidung der einzelnen Gruppen ist, ist diese allerdings nicht universell gültig, da sich z. B. nicht unbedingt alle Muslime im Land auch automatisch als Bosniaken bezeichnen. Nach dem Krieg wurden die Gruppen aber trotzdem zunehmend homogener, vor allem in ländlichen Bereichen finden sich heute bosniakische, kroatische und serbische „Blasen“, welche weitgehend isoliert von den anderen Gruppen leben.

Ungeachtet der Probleme der letzten 30 Jahre teilen die drei Gruppen eine wesentlich ältere gemeinsame Geschichte. Diese Geschichte erzählt von einem friedlichen Zusammenleben, Akzeptanz und Aufgeschlossenheit, und die meisten Bosnier zeigen auch heute einen guten Willen und eine große Toleranz gegenüber den anderen Gruppen. In Bezug auf Politik, Religion und die unmittelbare soziale Zugehörigkeit sind ethnische Linien jedoch immer noch bestimmend – vielleicht nach dem Krieg mehr denn je. Zuvor vermischten sich Kulturen und Religionen jahrhundertelang in den Straßen des Landes. Das Endergebnis ist auch heute noch ein Land voller faszinierender Widersprüche und einzigartiger Menschen.

Geschichte

Vor dem Mittelalter

Das Gebiet des heutigen Bosnien und Herzegowina durchzogen schon seit langer langer Zeit Trennlinien der Kulturen. Angefangen hat das Ganze wohl schon im 4. Jahrhundert nach Christus, als die Grenze zwischen dem lateinischen Weströmischen und dem griechischen Oströmischen Reich durch den Balkan verlief. Im 7. Jahrhundert folgte die Einwanderung der Slawen in die Region („Jugo“-Slawen = „Süd“-Slawen), welche seitdem die Region prägen sollten. Durch die Einwanderung der Ungarn ins heutige Ungarn wurden diese von den restlichen Slawen räumlich getrennt und entwickelten dadurch eine eigene Kultur.

Nach und nach übernahmen die Slawen das Christentum. Im östlichen Balkan erfolgte die Missionierung einerseits aus Konstantinopel (dem heutigen Istanbul), wodurch diese die für die Mission übernommene kyrillische Schrift einführten. Auf der anderen Seite wurden z. B. die Kroaten eher vom Westen missioniert und wurden Katholiken. Im heutigen Bosnien trafen diese beiden Richtungen aufeinander. Die nördlichen und westlichen Teile waren katholisch geprägt, der Osten orthodox.

Im Frühmittelalter wurde Bosnien bereits zum Spielball der konkurrierenden Mächte Kroatien und Serbien und wechselte mehrmals die Seiten, bis sich Anfang des 15. Jahrhunderts schließlich ein bosnisches Königreich etablieren konnte, welches zum mächtigsten Staat des westlichen Balkans wurde.

BiH im Osmanischen Reich

Mit der Expansion des Osmanischen Reiches war es dann aber recht schnell schon wieder vorbei mit dem bosnischen Königreich. Die Region wurde 1463 von den Muslimen erobert, für welche Bosnien eine wichtige Region wurde, da das Land die Außengrenze zum christlichen Europa bildete. Ein Teil der bosnischen Bevölkerung konvertierte zum Islam, der größere Teil blieb allerdings dem alten christlichen Glauben treu. Trotzdem wurde Bosnien zusammen mit Albanien zum islamisiertesten Land Europas.

Da die Osmanen noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in diesem Gebiet herrschten, ist es nicht verwunderlich, dass die Oberschicht in diesem Gebiet größtenteils aus Muslimen bestand. Großgrundbesitzer und Staatsbedienstete waren größtenteils Muslime, während die Bauern, welche die Ländereien unter schlechten Bedingungen bewirtschafteten, größtenteils aus Christen, vor allem orthodoxen Serben, bestanden.

Das Sanjak Bosnia in ottomanischer Zeit

Das Osmanische Reich wurde damals in sogenannte Millets bzw. Sanjaks unterteilt, wobei es auf dem Balkan katholische (im nördlichen Teil der Balkanhalbinsel), orthodoxe (zentrale und südliche Balkanhalbinsel) und natürlich muslimische Millets (östlicher und westlicher Balkan) gab. Die Millets durften eigenständig Steuern erheben und Gesetze erlassen, es galten die Regeln der jeweiligen Religion. Dies trug dazu bei, dass sich die Bewohner*innen der jeweiligen Millets mehr und mehr aufgrund ihrer Konfession mit „ihrem“ Land identifizierten und zur Entstehung der ethnisch-religiös geprägten Nationen auf dem Balkan beitrugen.

Mit der Entstehung der Nationalbewegungen nahmen Katholiken dabei eher die kroatische Identität an, Orthodoxe eher die serbische. Die bosnischen Muslime fühlten sich eher der „Umma“ zugehörig, also der Gesamtheit aller Muslime. Erst später verengte sich der Begriff Bosniake, welcher zuvor alle Einwohner*innen Bosniens bezeichnete, auf die muslimischen Bosnier*innen. („Bosnier*in“ wird übrigens heute noch für alle Menschen in Bosnien-Herzegowina genutzt, egal welcher Konfession, und unterscheidet sich damit von „Bosniake/Bosniakin“.)

Österreich-Ungarn & Königreich Jugoslawien (1876-1941)

Im 19. Jahrhundert fing das Osmanische Reich an zu zerbrechen, mit Konsequenzen auch für Bosnien. Österreich-Ungarn konnte das südliche Ungarn und den östlichen Teil des heutigen Kroatiens in sein Staatsgebilde integrieren und 1876 schließlich auch Bosnien besetzen. Zwar gehörte das Land offiziell noch bis 1908 unter osmanische Herrschaft, de facto wurde es aber von Österreich-Ungarn verwaltet. Die muslimische Religion wurde dabei der christlichen gleichgestellt, und die muslimische Elite blieb weitestgehend erhalten, wodurch diese der neuen Herrschaft relativ offen gegenüberstand. Auch die Kroaten in Bosnien-Herzegowina waren loyal, nur die Serben hofften auf einen Anschluss an das bereits unabhängige Serbien. Dabei galten die Serben den Österreich-Ungarn schon im Vorfeld der Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand 1914 als erbitterte Feinde der Habsburgermonarchie.

Gegen Ende des Ersten Weltkriegs zerbrach dann allerdings auch Österreich-Ungarn. Am 1. Dezember 1918 wurde feierlich der Staat der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS) gegründet. Die seit 1878 unabhängigen Königreiche Serbien und Montenegro vereinigten sich mit den von Slowenen, Kroaten, Serben und bosnischen Muslimen besiedelten Ländern, die bis dahin zu Österreich-Ungarn gehört hatten. Bosnien-Herzegowina wurde dabei kein eigenes Land innerhalb des Königreichs. Im Mai 1919 wurde das südslawische Königreich auf der Pariser Friedenskonferenz völkerrechtlich anerkannt. 1929 wurde es in „Jugoslawien“ (von südslawisch „jug“ für „Süden“) umbenannt.

Der Staat der "Slowenen, Kroaten und Serben" nach dem Zerfall Österreich-Ungarns

Ein politisches Gebilde mit dem Namen Jugoslawien hatte es vorher nie gegeben. Wie bereits dargestellt, lebten katholische, orthodoxe und muslimische Südslawen – die Slowenen, Kroaten, Serben, Bosniaken, Montenegriner und Mazedonier – in verschiedenen Großreichen unter fremder Herrschaft, also unter jeweils ganz unterschiedlichen Politik- und Kultureinflüssen. Jedoch existierten aufgrund sprachlicher und kultureller Gemeinsamkeiten Gefühle von Verwandtschaft und Zusammengehörigkeit, die sich bis in die Renaissance zurückverfolgen lassen. Im 19. Jahrhundert, als auch Deutsche, Italiener, Polen und andere europäische Völker Einheit und Selbstbestimmung forderten, entsand auch ein südslawischer Nationalismus.

Als tragende Säule dieses neuen Vielvölkerstaats galt dabei die Entwicklung einer gemeinsamen Standardsprache, dem Serbo-Kroatischen bzw. Kroato-Serbischen, da in Kroatien, Bosnien, Herzegowina, Montenegro und Serbien sehr ähnliche, zum Teil sogar die gleichen Dialekte gesprochen wurden. Heute wird – mehr aus politischen denn linguistischen Gründen – zwischen Kroatisch, Serbisch, Bosnisch und Montenegrinisch unterschieden.

Besetzung von Nazi-Deutschland und der kroatischen Ustascha (1941-1945)

1941 griff dann Deutschland unter Hitler Jugoslawien an, da serbische Generäle einen Putsch aus Protest gegen den erzwungenen Beitritt des Landes zum Dreimächtepakt ausführten. Deutschland gewann innerhalb weniger Tage, und Teile Bosnien-Herzegowinas wurden dem nur in der Theorie „Unabhängigen Staat Kroatien“ eingegliedert, welcher von der faschistischen kroatischen Ustascha-Bewegung regiert wurde.

Ustascha-Propagandaplakat. "Kroaten von Herceg-Bosnien! Melde dich bei der kroatischen Freiwilligenabteilung der SS oder bei der deutschen Polizei in Kroatien, zu der bereits Tausende deiner Brüder gehören. Kümmern Sie sich um Ihr Zuhause! Oder wollen Sie weiterhin Ihr stolzes Bosnien in Flammen sehen? Wenden Sie sich sofort an die nächste SS-Einheit oder Einheit der deutschen Polizei in Kroatien"

Auf Geheiß der Nazis führte der neue kroatische Staat fast sofort antijüdische Gesetze ein. Die meisten Juden in Bosnien und Herzegowina wurden in Konzentrationslager geschickt. Inmitten der nationalistischen Ziele der kroatischen Unabhängigkeitsbewegung stellte sich eine kleine Partei stalinistischer Kommunisten unter der Führung von Josip Broz Tito einen etwas anderen, wieder pan-jugoslawischen Staat und eine Revolution vor, was auf fruchtbaren Boden fiel, da viele Menschen in der Region der nationalistischen Agenden überdrüssig waren und im Kommunismus eine Chance für den Frieden sahen.

Tito wurde zur politischen Ikone, galt als militärisches Genie und wurde zur Symbolfigur der Widerstandsbewegung. Mit Unterstützung der vorrückenden Roten Armee gelang es ihm, als Nazi-Deutschland und seine Verbündeten geschlagen waren, eine neue Ära für Jugoslawien zu begründen. Die Sozialistische Föderale Republik Jugoslawien entstand, und Bosnien-Herzegowina wurde neben Slowenien, Kroatien, Serbien, Mazedonien und Montenegro eine der sechs Republiken des Landes.

Sozialistische Föderale Republik Jugoslawien (1945-1992)

Tito war eine sehr kontroverse Figur. Für die einen gilt er als Tyrann, vor allem für die mehr als 250.000 Kroaten, Serben und Muslime, die während seines Regimes starben, da Tito versuchte, jegliche Nationalisten im Land zu vernichten (wie gut das geklappt hat, wurde dann deutlich, als Jugoslawien endgültig zerbrach). Für die andere Seite ist er ein Held, der das Land erfolgreich vereinen konnte, für wirtschaftliche Stabilität und einen Aufschwung sorgte und dabei den Bewohnern doch recht große Freiheiten einräumte, wovon andere sozialistische Staatsbürger zu der Zeit nur träumen konnten, wie beispielsweise Reisefreiheit.

Auch die Religionsfreiheit war unter Tito stark eingeschränkt, so wurde muslimischen Frauen beispielsweise verboten, ein Kopftuch zu tragen. Andererseits erinnern sich viele Bosniaken an die Zeit bis 1980, als Tito starb, als eine relativ gute Zeit für das Land und die Region. Die Städte blühten auf, Sarajevo war sogar Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1984, die Arbeitslosigkeit war gering und die Infrastruktur verbesserte sich kontinuierlich.

Statue von Tito an der Universität Sarajevo. Foto: Miłosz Pieńkowski, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

Doch auch während des Tito-Regimes blieb der Nationalismus ein fester Bestandteil vieler Menschen in den ehemals eigenständigen Republiken, wenn auch nicht offensichtlich. Mit dem Tod Titos ging es für das Land auch wirtschaftlich immer weiter bergab, und erste Länder, wie Kroatien und Slowenien, setzten sich für mehr Autonomie ein, was bei den Serben, unter Tito die wohl einflussreichste Republik, die Befürchtung einer neuen Herrschaft der Ustascha hervorrief. Nach einigen gewalttätigen Konflikten zwischen Kroaten und Serben brach zwischen diesen Ländern der Krieg aus, welcher ab 1991 und endgültig 1992 auch Bosnien-Herzegowina erreichen sollte.

Bosnienkrieg (1992 -1995)

Nachdem bereits Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit von Jugoslawien erklärt hatten, folgte Bosnien im März 1992, was auch recht direkt von der EU und der UN anerkannt wurde. Am gleichen Tag griffen serbische Streitkräfte Sarajevo an, die Bürger der Stadt reagierten mit einem friedlichen Protest. 100.000 Menschen gingen auf die Straße dagegen, und serbische Scharfschützen eröffneten aus dem Holiday-Inn-Hotel heraus das Feuer auf die Menge. Während das Ausland zuschaute, starben die ersten Menschen im Bosnienkrieg; in den nächsten vier Jahren sollten 100.000 weitere folgen.

Sarajevo wurde die folgenden vier Jahre von serbischen Truppen belagert. Für die Einwohner*innen gab es in dieser Zeit nur einen Tunnel, der die Stadt versorgte (mehr dazu hier). Auch kam es in Konzentrationslagern zu Genoziden, genauso wie zu Massenvergewaltigungen. Die UN schickte zwar Friedenstruppen in das Land, aber diese durften nicht eingreifen, da das Völkerrecht ihre Neutralität vorschrieb.

Einen traurigen Höhepunkt erlebte Bosnien vom 11. bis zum 19. Juli 1995, als in Srebrenica über 8000 Bosniaken, nahezu ausnahmslos Jungen und Männer ab 13 Jahren, ermordet und in Massengräbern verscharrt wurden. Die UN-Blauhelmtruppe unter niederländischer Führung schritt nicht ein.

Bis 1993 waren Kroaten und Muslime vereint gegen die Serben. Der Vance-Owen-Plan (VOP) versuchte, die Grenzen von Bosnien und Herzegowina, Serbien und Kroatien neu zu definieren, scheiterte jedoch letztendlich, als er Kroatien riesige Gebiete von Bosnien und Herzegowina zuwies und die muslimische Nationalität gefährdete. In einem geheimen Treffen zeichneten Tuđman und Milošević die Karte neu und teilten Bosnien unter sich auf. Nach ihrem Plan würde die muslimische Bevölkerung vertrieben oder getötet.

Die Folgen des Krieges sind im Straßenbild Bosnien-Herzegowinas immer noch erkennbar.

Und als wäre die Situation für das Land nicht schon grausam genug gewesen, kam im Jahr 1993 ein weiterer Konflikt hinzu. Bis dato hatten sich Bosniaken und Kroaten offiziell verbündet und kämpften gemeinsam gegen die Serben. Es kam allerdings zu Spannungen zwischen Kroaten und Bosniaken, als letztere sich weigerten, Teil eines größeren kroatisch-bosnischen Staates zu werden. Die Kroaten versuchten, in der Herzegowina eine autonome Region mit Mostar als Hauptstadt zu errichten, wofür alle muslimischen Einwohner der Stadt getötet oder vertrieben werden sollten. Mehr dazu hier.

Im April 1994 schritt die NATO dann schließlich in den Krieg ein und flog gezielte Luftangriffe auf Stellungen der serbischen Armee und auch auf Belgrad. Nach einem Ultimatum der NATO nahmen dann Führer der Serben, Kroaten und Muslime im Dezember 1995 Verhandlungen auf der Dayton Airbase in den USA auf. Eine Einigung wurde schließlich in Form des Dayton-Abkommens erzielt, das 49 Prozent des Territoriums (RS) den Serben und 51 Prozent der kroatisch-muslimischen Föderation zugestand. Es sollte eigentlich nur eine vorübergehende Lösung sein, während Bosnien-Herzegowina eine neue Verfassung schrieb, aber BiH wird weiterhin gemäß den Vereinbarungen regiert, die das Dayton-Abkommen festgelegt hat. Ein Teil dieses Abkommens stellte auch eine 60.000 Personen große Friedenstruppe in der Region auf.

Bis heute weiß niemand so recht, wie man das Geschehen in den 1990er Jahren nennen soll. Obwohl es sicherlich der Definition von „Völkermord“ entspricht und die UN es als solche bezeichnet, hat die Verwendung dieses Begriffs auch politische Implikationen. Es war sowohl ein Bürgerkrieg als auch eine Frage souveräner Selbstbestimmung der beteiligten Konfliktparteien. Was es wohl nicht war, ist nur ein „Konflikt“, da dieser Begriff den Dimensionen des Geschehens nicht gerecht wird. In Bosnien sprechen die meisten Menschen heute einfach von „dem Krieg“. Wenn ihr aber in Bosnien mit Menschen darüber ins Gespräch kommt, solltet ihr jedoch darauf achten, mit wem ihr gerade sprecht, da die Sichtweisen und Herangehensweisen an den Krieg sich doch erheblich unterscheiden können.

Am Ende des Krieges waren mehr als 150.000 Menschen gestorben, und mehr als 1,3 Millionen Menschen wurden zu Flüchtlingen. Trotz der Gräueltaten und der gezogenen ethnischen Grenzen wünschen sich heute die allermeisten Menschen in Bosnien, in Frieden mit ihren Nachbarn zu leben. Viele erinnern sich wehmütig an die Zeit, als alle drei Gruppen in Frieden zusammenlebten. Bis zu einer vollständigen Aussöhnung zwischen den Gruppen wird es wahrscheinlich noch ein paar Generationen dauern, falls es nicht wieder zu neuen Konflikten kommt, was dem Land wirklich nicht zu wünschen wäre.

Menschen und Kultur

Religionen

Da die Religion, obwohl religiöse Praktiken unter Tito über 40 Jahre lang unterdrückt wurden, auch die Zugehörigkeit zu den jeweiligen Gruppen im Land bestimmt, bleibt diese eine wichtige und tragende Säule in der Gesellschaft. Ob dies nun positiv oder negativ ist, sei dahingestellt. Es ist allerdings auch so, dass es in allen Gruppen eher säkulare Menschen gibt und einige, die ihre Religion stärker ausleben. Die meisten Menschen sind wohl irgendwo in der Mitte anzusiedeln.

Der Islam ist weiterhin sehr lebendig in Bosnien, auch wenn die bosniakische Version eher eine säkulare Version des Islams darstellt, die ein gutes Beispiel dafür ist, wie sich westliche Werte und der Islam miteinander verbinden können. In den letzten Jahren ist aber auch ein größer werdender Einfluss aus dem Nahen Osten, vor allem Saudi-Arabien, zu spüren, welches eine striktere Version des Islams predigt und nicht nur in Bosnien, sondern weltweit versucht, seinen Einfluss zu stärken. Das wird meistens dadurch versucht, indem die Schatullen geöffnet werden, um z. B. den Bau von Moscheen oder Bildungseinrichtungen zu unterstützen.

Bascarsija-Moschee in Sarajevo

Die zahlenmäßig zweitgrößte Religion im Land ist die serbische Orthodoxie, die mit der Republik Srpska einen eigenen Staat innerhalb des Landes besitzt und im Moment eine größere Autonomie fordert. Sogar von einer Abspaltung oder einem neuen Bürgerkrieg ist die Rede, auch wenn führende Politiker auf allen Seiten immer wieder beteuern, dass dies nicht die Absicht sei. Die serbische Identität und der serbische Nationalismus werden oft mit der serbisch-orthodoxen Kirche in Verbindung gebracht. Die serbisch-orthodoxe Kirche wurde 1219 gegründet und wird oft als die Institution verstanden, die das heutige Serbien mit seiner langen historischen Vergangenheit verbindet. Seit dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawien erlebt die Kirche wieder einen starken Aufschwung. Da ein Großteil der serbischen Identität mit der Religionsgeschichte verknüpft ist, wird ein Angriff auf die serbisch-orthodoxe Kirche oft als Angriff auf einen einzelnen Serben oder das Kollektiv interpretiert.

Serbisch-orthodoxes Ozren-Kloster nahe Tuzla

Generell betrachten viele Serben serbisch-orthodoxe Kirche als einen wichtigen Teil ihres religiösen, sozialen und kulturellen Lebens. Unabhängig von spirituellen Überzeugungen sind Besuche in der örtlichen Kirche während wichtiger Ereignisse wie Weihnachten und Ostern üblich.

Vor allem in der Herzegowina leben kroatische Katholiken, deren religiöse Werte sich grundsätzlich nicht großartig von den Katholiken in Deutschland oder Italien unterscheiden und genauso facettenreich sein können wie dort. Aber trotzdem ist die kroatische katholische Kirche durchaus anders als wir es kennen. Sie hat einen großen gesellschaftlichen Einfluss und vertritt auch nationalistische Werte, Homophobie, stellt sich gegen Abtreibung und Flüchtlinge und propagiert ein revanchistisches Geschichtsbild, was aber auch von einem nicht geringen Teil der katholischen Kroaten kritisiert wird, die sich gegen ihre eigenen Priester stellen, diesen Weg des Glaubens als „Fake-Katholizismus“ darstellen und versuchen, ihren Glauben nach ihren eigenen Regeln auszuleben.

Der katholische Wallfahrtsort Medjugorje nahe Mostar

Im Großen und Ganzen sind die allermeisten Bosnier heutzutage sehr tolerant den jeweils anderen Religionen gegenüber, sodass z.B. die Feiertage und Traditionen der jeweils anderen heute von allen Gruppen respektiert werden. Vielleicht ist das eine Lehre aus dem Krieg, hoffentlich.

Familie & Geschlechterrollen

Die Familie ist die wohl wichtigste soziale Gruppe in Bosnien. Sie steht über allem, und Bosnier haben engen und häufigen Kontakt zu ihrer Großfamilie, die alle in der Regel nahe genug wohnen, um sich häufig zu besuchen. Kinder werden hochgeschätzt und verwöhnt und stehen bei Familienfeiern im Mittelpunkt.

Obwohl viele bosnische Männer und Frauen die Gleichstellung der Geschlechter unterstützen und sich Gepflogenheiten heutzutage doch langsam ändern, ist die Praxis von der Theorie häufig doch noch etwas anders, vor allem auf dem Land. In vielen Familien sind Männer immer noch das Familienoberhaupt und treffen die meisten wichtigen Entscheidungen. Die meisten bosnischen Männer bevorzugen „echte Frauen“ – diejenigen, die fürsorglich und häuslich sind. „Echte Männer“ machen weder Hausarbeit noch kochen. Aber auch in Bosnien-Herzegowina wandelt sich die traditionelle Rollenverteilung immer mehr und bricht vor allem in den Großstädten auf. Sarajevo oder Banja Luka unterscheiden sich in dieser Hinsicht, vor allem bei der jungen Bevölkerung, wohl kaum von anderen Metropolen Europas.

Social Life

Das Leben in Bosnien und Herzegowina ist recht entspannt und nicht sonderlich hektisch. Die Menschen neigen dazu, ihren Tag nicht von vorne bis hinten zu planen und lassen die Ereignisse lieber ein wenig auf sich zukommen. Spontanität wird dabei großgeschrieben, und es gibt sogar ein eigenes Wort dafür: „Ćeif“, was so viel bedeutet wie „vom Moment mitgerissen werden“.

Kaffee trinken ist ein sehr, sehr wichtiger Bestandteil des Landes und des Lebens und wird täglich, meistens gleich mehrmals, praktiziert. Cafés sind in den Städten allgegenwärtig und immer gut besucht, und es ist keine Seltenheit, dass man selbst von neuen Bekanntschaften auf einen Kaffee eingeladen wird (was manchmal auch mit deinem Date gleichzusetzen ist!). Dabei ist die bosnische Gastfreundschaft sehr groß, und es kann gut sein, dass man hier langanhaltende Freundschaften gründet. Aber nicht nur während des Tages und in Cafés trifft man sich, auch abendliche Zusammenkünfte, die als „sijelo“ bekannt sind, sind üblich. Dies könnte bedeuten, dass mehrere Mitglieder einer Nachbarschaft sich in einem Haushalt treffen und einen langen Abend damit verbringen, Kaffee oder Bier oder Rakija zu trinken und die neuesten Nachrichten zu diskutieren, oder es könnte eine Gruppe jüngerer Menschen sein, die gemeinsam zu einer Veranstaltung gehen.

Der entspannte Umgang mit der Zeit und die etablierte „Coffee Culture“ sind also tief in der Kultur verankert, können aber teilweise auch auf die hohe Arbeitslosenquote zurückgeführt werden. Bis zu 40 % der Bevölkerung sind arbeitslos, weshalb finanzielle Ressourcen und Wohlstand trotzdem noch ein vorrangiges und natürlich wichtiges Ziel sind. Aber was vielleicht manchmal an Geld fehlt, wird häufig durch einen ausgeprägten Einfallsreichtum kompensiert. Da es oft zu teuer ist, Arbeit in Auftrag zu geben und dafür zu bezahlen, versuchen die meisten Menschen, Dinge mit Hilfe von Freunden oder der Familie selbst zu reparieren oder zu bauen. Dieser Selbstständigkeits- und DIY-Ansatz spiegelt sich auch in der traditionellen selbstversorgenden Landwirtschaft wider. Vor allem auf dem Land bauen Familien einen Großteil des benötigten Gemüses selber an.

Enge Freunde gelten in Bosnien-Herzegowina als ein Teil der Familie und erfordern mehr als nur einen monatlichen Anruf oder einen jährlichen Besuch, z. B. regelmäßige Treffen in einem Café, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Im Allgemeinen sind Freundschaften in Bosnien lokal verankert und konzentrieren sich auf familiäre und religiöse Gruppen, die oft auf die ganze Nachbarschaft ausgeweitet werden. Das bedeutet, dass Freundeskreise oft derselben religiösen oder ethnischen Gruppe angehören, obwohl sich dies in Städten auch immer mehr ändert.

Die Nachbarschaft (komšiluk) eines Bosniers ist für sein Unterstützungsnetzwerk von wesentlicher Bedeutung, insbesondere für diejenigen, deren Verwandte in einem anderen Dorf oder auf der anderen Seite der Stadt leben. Einige Bosnier können es auf sich nehmen, jede Woche ihre nächsten Nachbarn zu besuchen. Frauen repräsentieren oft auf diese Weise einen Haushalt und bringen die Wünsche der ganzen Familie mit, wenn sie andere Frauen besuchen, während die Ehemänner arbeiten. Männer neigen dazu, sich mit anderen Männern an öffentlicheren Orten wie Kaffeehäusern zu treffen. Beide Aktivitäten pflegen die Freundschaft und den Gemeinschaftsgeist.

In solch engen Gemeinschaften kennt jeder jeden, und der familiäre Hintergrund sagt viel über eine Person aus. Dieser Mangel an Privatsphäre bedeutet, dass sich die Nachricht von Familiensachen oftmals schnell verbreiten kann. Daher sind Bosnier im Allgemeinen vorsichtig mit dem, was sie erzählen, um sicherzustellen, dass ihre Probleme oder Anliegen nicht zum Gegenstand von Klatsch und Tratsch werden und den bekannten Namen in Verlegenheit bringen. Die intime Nachbarschaft vermittelt jedoch auch ein Gefühl der Zugehörigkeit und Sicherheit. Die bosnische Kultur ist in diesem Sinne ziemlich kollektivistisch. Dieser Gemeinschaftsgeist ist auch nicht auf ländliche Gebiete beschränkt. Auch in den Städten können sich ganze Wohnblocks kennen und aufeinander aufpassen.

In der bosnischen Kultur gibt es eine traditionelle Altershierarchie. Ältere Menschen müssen respektiert werden, das Alter steht dabei für Autorität, Erfahrung, Wissen und Weisheit. Der soziale Status des Alters verändert sich jedoch im Zuge der technologischen und kulturellen Veränderungen der heutigen Zeit. Viele ältere Menschen haben, wie wohl überall in der sich schnell verändernden Welt, oft Schwierigkeiten, mit den neuen digitalen Technologien umzugehen, während die jüngeren Generationen auch in Bosnien „Digital Natives“ sind und das Smartphone einen hohen Stellenwert genießt. Darüber hinaus wurden seit dem Bosnienkrieg viele traditionelle Normen und Bräuche entweder verändert oder beiseitegelegt, da sich andere Prioritäten durchgesetzt haben. Infolgedessen sind individualistische Einstellungen bei den jüngeren Generationen stärker spürbar geworden.

Bosnier sind sportbegeistert, und die beliebtesten Sportarten sind Fußball und Basketball. Da die eigenen einheimischen Sportligen nicht sonderlich gut besucht und beliebt sind und die Leute eher die britische Premier League oder Bundesliga verfolgen, kann Sport eine gute Grundlage für ein Gespräch sein, wenn man selbst Fußballfan ist. Wetten ist ein beliebter Zeitvertreib, und Wettstudios finden sich in allen Dörfern und Städten. Die Spiele selber guckt man dann am besten in einem Café oder einer Kneipe.

Zu beachten ist auch noch, dass Korruption weiterhin ein großes Problem in Bosnien-Herzegowina darstellt und die gesamte Gesellschaft durchzieht. Korrupte Politiker oder Regierungsbeamte, inkl. der Polizei, sind keine Seltenheit, auch wenn Kontrollen von ausländischen Autos mittlerweile eher selten sind. Trotzdem sollte man das auf dem Schirm haben, wenn man durch das Land reist.

Do's and Don'ts

Do's

  • Probiert das lokale Essen und trinkt Rakija! Auch wenn es manchmal etwas ölig ist und der Rakija stark.

  • Wenn euch Hilfe oder ein Gefallen angeboten wird, nehmt diesen an und seht die Geste als Zeichen der bosnischen Großzügigkeit. Zeigt dabei eure Dankbarkeit. Für Menschen aus Westeuropa ist es manchmal etwas merkwürdig, einen Gefallen von Menschen anzunehmen, die sie kaum kennen, oder diese Angebote werden mit Skepsis beäugt. In Bosnien gehört sowas aber zum guten Ton, und eine Ablehnung könnte als Unfreundlichkeit eurerseits bewertet werden.

  • Versucht, euch so genau wie möglich auf die Regionen und Bezirke des Landes zu beziehen. Provinzielle Identität ist den Menschen wichtig. Bezeichnet Menschen aus der südlichen Region des Landes als „Herzegowiner*In“ und nicht als „Bosnier*In“.

  • Beantwortet direkte Fragen zu eurem Alter, Familienstand und euren Kindern einfach wahrheitsgemäß, auch wenn es für euch unangebracht erscheint, über solche persönlichen Dinge mit fremden Menschen zu sprechen.

  • Betretet Moscheen und Kirchen, egal ob orthodox oder katholisch, nur in angemessener Kleidung. Unangemessen sind meistens auf jeden Fall Badeshorts, Flip-Flops und Tank-Tops.

Don'ts

  • Seid nicht zu geizig, wenn ihr mit Bosnier*Innen ausgeht. Eine Runde Bier holen ist nicht teuer und wird sich eh wieder ausgleichen. Es kann allerdings sein, dass BosnierInnen euch erst gar nicht bezahlen lassen möchten. Akzeptiert auch das.

  • Auch wenn es für euch natürlich ein sehr interessantes Thema ist: Sprecht von euch aus nicht den Krieg an und vermeidet es, eure Meinung zu den Ursachen oder der Dynamik des Bosnienkriegs zu äußern. Es ist ein besonders heikles Thema, die Verantwortung der einzelnen Ethnien an diesem anzusprechen oder zu diskutieren. Außerdem haben viele oft grausame Kriegserfahrungen gemacht oder Familienmitglieder oder Freunde verloren. Kriegstraumata sind dabei keine Seltenheit. Wenn Menschen mit euch über den Krieg erzählen möchten, werden sie das von sich aus tun.

  • Wenn ihr wandern geht, verlasst die Wanderwege am besten nicht. Es gibt durchaus noch Minen in der Landschaft!
  • Macht keine Kommentare, die als respektlos empfunden werden könnten. Bosnier*Innen können empfindlich auf herablassende Bemerkungen reagieren. Sollte nicht nur in Bosnien selbstverständlich sein, oder?

  • Setzt Bosnien-Herzegowina oder das ex-Jugoslawien nicht mit anderen ex-kommunistischen Ländern Osteuropas oder gar der Sowjetunion gleich. Es war anders!

  • Wenn Bosnier*Innen es nicht von sich aus erzählen, verkneift euch die Frage nach der ethnischen Zugehörigkeit. Wenn die Leute nett sind, ist diese doch auch egal, oder?

Essen und Trinken

Ein altes bosnisches Sprichwort geht so: „Manche Leute essen, um zu trinken. Andere essen, damit sie leben und arbeiten können. Die Menschen in Bosnien und Herzegowina arbeiten und leben, um zu essen.“

Das Essen in Bosnien-Herzegowina kann wohl getrost als herzhaft und fleischreich beschrieben werden, und ich als Vegetarier bin hier vielleicht nicht der allerbeste Ansprechpartner, um ein volles Bild der bosnischen Küche zu überliefern. Aber ich geb mein Bestes. Die Küche wird sowohl von mediterranen als auch von türkischen oder nahöstlichen Einflüssen bereichert, und auch ungarische oder österreichische Spezialitäten sind ins Land eingewandert. Grundsätzlich kommen in den Restaurants äußerst großzügige Portionen auf den Tisch, im Vergleich zu Deutschland zu sehr erschwinglichen Preisen.

Das hierzulande bekannteste Gericht aus BiH bzw. dem Balkan ist wohl zweifellos Cevapcici (Singular: Cevapi), welches vielleicht auch als das Nationalgericht des Landes bezeichnet werden kann und das ihr auf den Speisekarten der allermeisten traditionellen Restaurants finden werdet. Serviert werden Cevapcici häufig mit Fladenbrot und Ajvar dazu, eine Paste aus roten Paprika.

Cevapcici

Ein weiteres Nationalgericht ist Bosanski Lonac, ein Eintopf, der traditionellerweise aus Lamm- und Rindfleisch sowie Gemüse (Kartoffeln, Karotten, Tomaten, Kohl und/oder vieles mehr) besteht und langsam nach Zutat aufgeschichtet in einem großen Topf gegart wird.

An den Straßenrändern wird häufig Kebab angeboten, was dort einfach gegrilltes Fleisch auf einem Spieß bedeutet. Köfte sind vielleicht ebenfalls aus türkischen Restaurants in Deutschland bekannt: Fleischbällchen. Allgemein sind in Bosnien recht viele Fleischgerichte aus Hackfleisch hergestellt.

Dolma sind gefüllte Weinblätter, die entweder vegetarisch nur mit Reis und gut gewürzt oder mit Reis und Hackfleisch gefüllt sein können. Dasselbe gilt für Filovana Paprika, gefüllte Paprika. Es gibt noch weitere Versionen von gefülltem Gemüse, z.B. gefüllte Zucchini oder Tomaten.

Moussaka (Musaka) ist zwar nicht mehr in allen Restaurants zu bekommen und in Deutschland wahrscheinlich als griechisches Essen eingekategorisiert, aber das zeigt mal wieder, wie viele verschiedene Einflüsse die bosnische Küche in sich integriert hat, da das Gericht auch dort sehr populär ist. Auberginen (und oft auch Kartoffeln) werden hier mit, Überraschung, Hackfleisch und einer Art Schmand überbacken und im heißen Tonschälchen serviert.

Kebab wird häufig direkt auf der Straße verkauft

Als Vorspeise werden häufig Čorbas serviert, Suppen. In vielen Restaurants stehen dabei Tomatensuppe und Begova Čorba (Hühnersuppe) auf den Menüs. Byrek ist der Nationalsnack und wird in den meisten Bäckereien und speziellen Burekčinicas verkauft. Das Blätterteiggericht ist dabei meistens mit Hackfleisch, Spinat, seltener mit Kartoffeln oder Weißkäse gefüllt. Im letzten Fall heißt das dann Sirnica statt Börek. Käse ist generell eine weitere Spezialität des Landes. Die beiden bekanntesten traditionellen Käsesorten sind Livanjski Sir und Travnički Sir, beide werden aus Schafsmilch hergestellt. Ersterer ist ein Hartkäse, letzterer ein salziger Frischkäse.

Während Bosnien sich einer großen traditionellen Kochkunst erfreut, bietet es auch internationale, mediterrane und mitteleuropäische Küche, die für alle Besucher*innen etwas zu bieten hat und niemanden mit leerem Magen zurücklässt. Der Einfluss der osmanischen und österreichisch-ungarischen Präsenz hinterließ zwar die größten Spuren in der bosnischen Küche, schränkte sie dabei aber nicht ein. Auch italienische Spezialitäten sind überall zu haben, sodass es kein Problem darstellt, irgendwo Pizza oder Pasta zu finden. Gleiches gilt für Fast Food wie Burger. Asiatische Restaurants sind allerdings nur in den Großstädten zu finden.

Für Vegetarier*innen oder Veganer*innen ist Bosnien nicht unbedingt ein Traumland, da das meiste Essen doch fleischhaltig ist. In vielen Restaurants ist es aber auf Nachfrage möglich, eine super vegetarische Platte zusammengestellt zu bekommen, die dann meist aus Käse, gefülltem und gegrilltem Gemüse und Pommes besteht und meistens eine sehr gute Wahl ist. Notfalls findet man immer irgendwo Pizza oder vegane Spaghetti Arrabiata. In großen Städten gibt es vereinzelt rein vegetarische oder vegane Restaurants. Diese werden in den Städteguides nach Möglichkeit erwähnt.

Selbstversorger kaufen ihr Gemüse, Obst, Käse und Fleisch am besten auf den vielen lokalen Märkten und Verkaufsständen, die sowohl günstiger sind als die Supermärkte und meistens das angebotene Gemüse in bester Bio-Qualität ohne Pestizide verkaufen, das dabei noch regional und saisonal angebaut wurde.

Zu einem guten Essen gehören natürlich auch gute Getränke. Als Nationalgetränk gilt der Rakija, ein meist hausgemachter Likör. Meistens wird dieser aus Pflaumen (šljiva) hergestellt, kann aber auch aus Äpfeln (jabukovača), Birnen (kruška) und anderem destilliert werden.

Wie bereits im Kapitel „Kultur und Mentalität“ erwähnt, ist das Kaffeetrinken eines der wichtigsten gesellschaftlichen Rituale und das Café ein wichtiger Treffpunkt. Bosnischer Kaffee ähnelt türkischem Kaffee, auch wenn sicherlich einige Leute darauf bestehen werden, dass es dort große Unterschiede gibt. Der Kaffee ist dabei eher klein und stark und wird oft mit einem „Rahat Lokum“, einer Süßigkeit auf Basis eines Sirups aus gelierter Stärke und Zucker, oder einem einfachen Zuckerwürfel serviert. Wer einen normalen Kaffee möchte, wie man ihn in Deutschland kennt, sollte amerikanischen Kaffee oder einen großen (veliki) bestellen. In Cafés gibt es übrigens auch frisch gepresste Orangen- oder andere Fruchtsäfte.

Bier aus Bosnien ist ebenfalls hervorragend und die meisten Regionen haben ihr eigenes Bier. Nektar (guter Name!) Bier stammt aus Banja Luka, Sarajevsko aus Sarajevo, Mostarsko aus Mostar, Tuzlanski aus… ihr habt es verstanden, denke ich. Getrunken wird übrigens fast ausschließlich Bier, das nach Pilsener Brauart gebraut wurde. Wenn ihr ein gezapftes Bier möchtet, bestellt ein „Točeno Pivo“.

BiH produziert auch hervorragende Rot- und Weißweine, vor allem aus der südlichen Herzegowina, worauf viele Menschen dort sehr stolz sind. Wasser aus der Leitung ist in den Städten übrigens absolut trinkbar und schmeckt auch ganz gut. Wer dem trotzdem nicht traut, bekommt überall in Plastikflaschen abgefülltes Wasser. Das beste Wasser im Land bekommt man allerdings im Gebirge, wo es an den Straßenrändern oftmals Wasserhähne oder Wasserquellen gibt, aus denen frisches, kaltes und absolut sauberes Wasser aus den Bergen heraussprudelt. Wenn ihr mit einem Camper unterwegs seid, solltet ihr dadurch keine Probleme haben, eure Wasservorräte immer wieder kostenlos aufzufüllen.

Geographie & Klima

Bosnien und Herzegowina ist ein Land in Südosteuropa im westlichen Balkan. Das Land grenzt (im Uhrzeigersinn) an Kroatien, Serbien und Montenegro, die längste Grenze teilt es mit Kroatien. Das Land ist größtenteils von Gebirgen geprägt, und der höchste Punkt des Landes ist der Berg Maglic mit 2.386 Metern, gelegen im Sutjeska Nationalpark direkt an der Grenze zu Montenegro. Die Dinarischen Alpen durchziehen das Land dabei von Norden nach Süden. Im Südwesten besteht eine kleine, 20 km lange Verbindung zum Mittelmeer rund um die Stadt Neum. Etwa 50 % des Landes sind von Wäldern bedeckt.

Der Name des Landes bezieht sich auf die beiden historischen Regionen innerhalb des Landes: Bosnien und die Herzegowina, wobei Bosnien die viel größere Region ist und etwa 4/5 des Landes einnimmt. Die größten Städte sind (der Größe nach sortiert) die Hauptstadt Sarajevo, Banja Luka (Verwaltungssitz der Republik Srpska), Tuzla, Zenica, Bijeljina und Mostar.

Im Nordwesten liegt die Region Bosanska Krajina mit der Stadt Banja Luka und dem bekannten Fluss Save. Im Norden Bosniens gibt es sehr fruchtbares Ackerland entlang des Flusses Save, weshalb das Gebiet stark bewirtschaftet wird. Dieses Ackerland ist ein Teil der Parapannonischen Ebene, die sich bis in das benachbarte Kroatien und Serbien erstreckt. Der östliche Teil des Landes ist sehr gebirgig und stark bewaldet. Hier war es, dass 1984 im Skigebiet Bjelašnica die Olympischen Winterspiele stattfanden. Der Süden besitzt ein mediterranes Klima, und auch hier wird viel Landwirtschaft betrieben. Dieser Teil ist vor allem bekannt für seinen Wein.

Der längste Fluss des Landes ist die Save, welche auch die nördliche Grenze zu Kroatien bildet. Weitere wichtige Flüsse sind die Una im Nordwesten, die Vrbas im Norden, welche durch Banja Luka fließt, die Bosna, die zentral durchs Land fließt und dem Land seinen Namen gab, die Drina an der Grenze zu Serbien und die Neretva, die durch die weltberühmte Brücke in Mostar fließt.

Auch das ist Bosnien: Das Land besitzt immerhin 20km Adriaküste rund um die Stadt Neum

Im Norden herrscht ein gemäßigt kontinentales Klima mit kalten Wintern und warmen Sommern. Der wärmste Monat des Jahres ist der Juli mit einer Durchschnittstemperatur von 22,8 °C, und der kälteste ist der Januar mit Durchschnittstemperaturen von etwa 1,7 °C. In der größten Stadt des Nordens, Banja Luka, fällt an etwa 104 Tagen im Jahr Regen. Aufgrund der Lage im Landesinneren kommt es im Norden im Winter fast jedes Jahr zu Schnee. Starke Winde können aus dem Norden und Nordosten kommen. Manchmal bringen Südwinde heiße Luft von der Adria.

Klimadiagramm von Banja Luka. Quelle: Wikipedia

Im gebirgigen Osten des Landes herrscht ein trockeneres, kälteres, windigeres und wolkigeres Klima als im Rest des Landes. Hier liegt auch die Hauptstadt Sarajevo. Die Nähe der Adria mildert das Klima dort etwas, obwohl die Berge diesen maritimen Einfluss stark reduzieren. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 10 °C, wobei der Januar (-0,5 °C) der kälteste Monat des Jahres und der Juli (durchschnittlich 19,7 °C) der wärmste ist.

Im Durchschnitt hat Sarajevo 7 Tage, an denen die Temperatur 32 °C überschreitet, und 4 Tage, an denen die Temperatur unter -15 °C pro Jahr fällt. Moderate Niederschläge treten das ganze Jahr über ziemlich konstant auf, mit durchschnittlich 75 Regentagen. Geeignete klimatische Bedingungen haben den Wintersport in der Region gedeihen lassen, wie die Olympischen Winterspiele 1984 in Sarajevo zeigen.

Klimadiagramm von Sarajevo. Quelle: Wikipedia

Herzegowina im Süden besitzt ein modifiziertes feuchtes mediterranes Klima mit kühlen Wintern und heißen, trockeneren Sommern. In den Sommermonaten sind vereinzelte Temperaturen über 40 °C keine Seltenheit. Der kälteste Monat ist der Januar mit durchschnittlich etwa 5 °C und der wärmste ist der Juli mit durchschnittlich etwa 26 °C. Die sonnigsten Monate liegen zwischen Juni und September. Der Rest des Jahres ist nass und mild. Mostar ist mit durchschnittlich 2.291 Sonnenstunden pro Jahr die sonnigste Stadt des Landes. Schnee im Winter ist relativ selten und schmilzt normalerweise innerhalb weniger Stunden oder Tage.

Klimadiagramm von Mostar. Quelle: Wikipedia

Umwelt

Bosnien-Herzegowina ist ein wunderschönes Land mit hohen Bergen, dichten Wäldern, Tiefebenen und sogar einem kleinen Stück Adria-Küste. Obwohl auch die Städte lohnenswert sind, ist dies meiner Meinung nach der Hauptgrund, warum man das Land besuchen sollte. Um die artenreiche Flora und Fauna zu erleben, macht man sich deshalb am besten auf den Weg in einen der vier Nationalparks.

    • Der Una-Nationalpark, welcher sich im äußersten Nordwesten des Landes an der Grenze zu Kroatien befindet und nahe am kroatischen Plitvice-Nationalpark gelegen ist, ist Bosniens größter Nationalpark. Der Park schützt knapp 20.000 Hektar Wälder, Stromschnellen und brillante Wasserfälle und beherbergt eine große Vielfalt an Süßwasserfischen und -vögeln. Er ist auch die Heimat von Luchsen, Wölfen, Gämsen, Füchsen und Bären, auch wenn man eine ordentliche Portion Glück braucht, um diese Tiere zu beobachten.
Nationalpark Una
    • Der Kozara-Nationalpark liegt am Zusammenfluss der Flüsse Una, Sava, Vrbas und Sana in Nordbosnien. Inmitten der bewaldeten Hänge des Kozara-Gebirges können Besucher Enten, Hasen, Wildschweine, Hirsche, Füchse und Fasane finden. Neben dem Nationalpark befindet sich noch ein abgeschirmtes Jagdgebiet.

    • Der Drina-Nationalpark hat seinen Namen vom Fluss Drina und ist der neueste Nationalpark des Landes (erst 2017 gegründet). Die nächstgelegene Stadt ist im Übrigen Srebrenica, weshalb sich ein Besuch vielleicht kombinieren lässt. Auf der anderen Seite des Flusses ist dann auch schon Serbien und deren Tara Nationalpark. Der Park ist am bekanntesten für die Drina-Schlucht, die eine maximale Tiefe von 976 Metern hat. Die Schlucht liegt auf mehr als 1.100 Metern über dem Meeresspiegel und überwindet in nur 6 km Fluss bis zur Mündung der Drina einen Fall von mehr als 800 Metern. Besondere Tierarten im Park sind der Braunbär, die Gämse und der Steinadler.

    • Der Sutjeska-Nationalpark ist der älteste und wohl bekannteste Nationalpark, der mit dem Moglić den höchsten Berg des Landes beheimatet und im 2. Weltkrieg Austragungsort erbitterter Kämpfe war. Ein Teil des Parks ist das Naturreservat Perućica, einer der letzten verbliebenen Urwälder des Kontinents. Die Fauna innerhalb des Nationalparks ist groß, vor allem in den Wäldern von Perućica sind Bären, Gämsen, Wildschweine, Wölfe, Baummarder, Nerzmarder, Wildkatzen, Füchse und Wildziegen gesichtet worden. Der Park beheimatet über 300 Vogelarten in den großen Seen- und Feuchtgebieten. Einige der Vogelarten, die aus den Wäldern von Perućica gemeldet wurden, sind Steinadler, Rauhfußhühner, Wanderfalken, Amseln und Steinhühner. Die Flora im Park umfasst 2.600 Arten Pflanzen (viele davon selten und endemisch) sowie etwa 100 Arten essbarer Pilze.

In Bosnien gibt es auch einige Tiere, auf die man achten sollte, da sie für den Menschen durchaus gefährlich sein können. Im Land gibt es drei giftige Schlangenarten und einige respekteinflößende Karnivoren. Bitte beachtet, dass Schlangen generell sehr scheue Tiere sind und sich normalerweise so schnell wie möglich aus dem Staub machen, sobald man ihnen begegnet. Nur wenn sie sich bedrängt fühlen, kann es sein, dass sie zubeißen.

Hornotter
Leicht zu erkennen an der graubraunen Farbe, einem dunklen Zickzackmuster auf dem Rücken und dem einzigartigen Horn, das aus der Schnauze herausragt, ist die Hornotter vielleicht die gefährlichste Schlange in ganz Europa, hauptsächlich aufgrund der langen Reißzähne und der hohen Giftigkeit, die bis zum Tod führen kann. Diese Schlange kommt in den meisten Teilen des Balkans an trockenen, felsigen Hängen vor.

Wiesenotter
Diese Art, die normalerweise in bergigen oder hügeligen Wiesen zu finden ist, ist weniger giftig und aggressiv als die Hornotter, kann aber dennoch Schmerzen, Schwellungen und Übelkeit verursachen. Bei einem Biss sollten die Opfer einen Arzt aufsuchen.

Kreuzotter
Dies ist eine der geläufigsten Giftschlangen in ganz Europa. Folglich ist sie für mehr Bisse verantwortlich als jede andere Art. Für einen gesunden Erwachsenen besteht abgesehen von Schmerzen, Schwellungen und Übelkeit kein allzu großes Risiko durch ihr Gift, da Todesfälle sehr selten sind, aber Bissopfer sollten immer einen Arzt aufsuchen.

Braunbär
Angriffe von Bären sind außergewöhnlich selten, selbst wenn man ihnen zu Fuß begegnet. Dennoch können sie aggressiv werden, wenn sie sich in irgendeiner Weise provoziert oder bedroht fühlen. Wenn sie in freier Wildbahn gesichtet werden, ist es am besten, ruhig zu bleiben und Abstand zu halten.

Wolf
Der Wolf ist nicht so gefährlich, wie sein furchterregender Ruf vermuten lässt. Angriffe sind wahrscheinlich nicht häufiger als die eines Braunbären. Es ist jedoch bekannt, dass Wölfe, wenn es um Nahrung geht, durchaus aggressiv werden können.

Quellen

Los geht’s!

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